14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Es fehlte wirklich nur noch, dass sie was in den Mund nehmen und essen. Für mich war es grauenhaft, ich merk- te, meine Kehle schnürte sich zu, aber ich dachte: Okay jet?t musst du hier
durch. Wir standen an diesem berühmtberüchtigten Tor, und ich sah überall diesen Stacheldraht. Plötzlich nahm ich drei oder vier Raben wahr und beobachtete diese. Hla vom Muse- um begleitete uns den ganzen Tag, er- klärte uns alles sehr feinfühlig und war offen für unsere Fragen. Es gab Mo- mente, in denen ich aus den Ausstel- lungen rausrennen musste, ich konnte es mir nicht ansehen, ich konnte die Gerüche nicht ertragen, ich konnte das Leid, das Elend nicht mehr ertragen. Nach einer Pause fuhren wir mit un- serem Bus nach Auschwitz-Birkenau. Dort merkte ich: Ich bin angekommen.
Ich habe mir nie vorher irgendwelche Pläne des Vernichtungslagers ange- schaut oder Berichte durchgelesen, sondern bin mit meinen eigenen Ge- fühlen und Instinkten, mit dem, was ich in mir trage, auf Spurensuche gegan- gen. Wir liefen und liefen, Kilometer über Kilometer über dieses unbe- Schreiblich riesige Gelände. Dafür gibt es keine Worte, es erschlägt einen.
Wir liefen in die Richtung einer Waldlichtung, links waren die ehemali- gen„Zigeuner“ Baracken. Plötzlich wurden meine Schritte schneller und schneller und schneller, ich überholte alle und ich lief und lief und lief. Mich hätte in diesem Moment keiner stop- pen können. Mir wurde übel und die ErZählungen über den furchtbaren Ge- Stank in Birkenau durchdrangen mich. Ich habe von Kindesbeinen an einen


