Heft 
(2023) 1/2023. August 2023
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13

nen Jag, nein zwei Tage nach meinem Geburtstag flog ich nach Krakéw. In Krakéw angekommen, wurde ich von einem Fahrer abgeholt, und wir unter- hielten uns die ganze Fahrt über die Politik in Polen, über die Politik in Deutschland, über Frau Merkel, und ich beobachtete nebenbei, wo er mich hinfuhr: viele Wälder, es war sehr grün, gab Holzhäuser. Es wurde immer Sumpfiger das Gebiet.

Ich hatte immer diesen sehr merk- würdigen Hraum, da ging es um Ausch- witz. Dort, wo man durch das TorAr- beit macht frei läuft, hatte ich gan?z viele Menschen um mich, die laut wa- ren, die lachten und die am Essen wa- ren. Für mich sehr skurril das Ganze. Und nun hielt der Fahrer vor dem Ein- gang zum Museum Auschwitz, und ich Ssah genau das aus meinem Traum, wenn auch nicht direkt an dem be- kannten Tor: Uberall Menschen am Lachen, am Essen, am Trinken, es fehl- te nur noch, dass sie grillten. Der Fah- rer drehte dann den Wagen, und 50 m weiter war unser Hotel, und meine Augen wurden ganz groß. Wir verab- schiedeten uns, ich bedankte mich, und er wünschte mir viel Kraft. Und nun stand ich da in der Lobby an der Re?Zeption und dachte: Jetzt bin ich da. Ein sehr mulmiges beängstigendes Gefühl kam in mir hoch. Ich ging auf mein Zimmer, ein sehr schönes und sehr großes Zimmer mit einem großen Fenster. Ich habe die Vorhänge aufge- macht und mir wurde schlecht. Ich wusste, das da vorn genau vor mir ist Auschwitz. Ich musste erstmal tief Luft holen und dann ging ich runter und

schaute mir das Hotel an. Ich dachte, dass ich etwas essen muss, denn ich hat- te den ganzen Tag nichts gegessen und die Tage davor war mir immer nur sehr schlecht. Wenn ich schon mal in Polen bin, sollte ich etwas aus der heimischen Küche nehmen. Versuch das Bild in deinem Kopf auszuschalten und bestell dir eins der Nationalgerichte aus Po- len, Pierogies, und dazu ein Glas Wein schlimmer kann es nicht werden.

Nach und nach trafen auch die an- deren Jeilnehmer unserer Gedenkrei- se ein. Am Abend saßen wir alle zu sammen, stellten einander vor. Ich lernte den Teil der Gruppe kennen, den ich noch nicht kannte. Ich war sehr angespannt, innerlich sehr unruhig. Ir- gendwann ging ich zu Bett, und da ka- men wieder diese Bilder: Meine Men- schen, meine Toten waren wieder bei mir. Ich dachte: Okay du musst ja ver- suchen zu schlafen, aber ich konnte nicht schlafen.

Ich war auch sehr früh schon unten beim Frũhstück und merkte: Jetzt wird es ernst, es gibt kein Zurück mehr. Dann gingen wir los. Ich weiß noch wie Lukas sagte: Carmen, nicht so schnell. Ich merkte, dass ich es hinter mich bringen wollte. Ich wollte endlich da rein, zunächst Auschwitz I. Am Nach- mittag würde dann Birkenau, wo unse- re Menschen vor allem gelitten hatten, auf mich zukommen. Wir betraten das ehemalige Stammlager Auschwitz J, und es bewahrheitete sich das, was ich aus meinen Träumen kannte und am Vortag am EFingangsbereich von Auschwitz schon gesehen hatte: diese Menschen, diese lachenden Menschen.