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Jüdische Balladen / Josef Kiss ; aus dem Magyarischen übersetzt von Otto Hauser
Entstehung
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Abtrünniger, aufweint er wild und weh, Abtrünniger, du bist mein Sohn nicht mehr| Nicht über meine Schwelle kommst du mir, Also erbarm sich meiner Adonai|

VII.

Unter der schmerzlichen Erinnrung Last Entbrennt der alte Grimm in seiner Seele, Erneut sich seine-schwere, alte Wunde

Und blutet wieder, wie sie einst geblutet. Schluchzend senkt er das Haupt in seine Hand, Und weiter führt ihn die Erinnerung.

Ach, einen Sohn noch hatt er, einen zweiten| Die Züge sieht er noch, die kindlichen,

Den Feuergeist, der Gottes Stirn entspringt, Und irre ging auch er in der großen Wüste. In Stein und Pflanze forschte er nach Gott; Ach, seine Jugend gab er dafür hin.

Und als des Wissens Lichtkulm er erstiegen, Alles da fand er Gott nur fand er nicht. Der Ruhm trug seinen Namen fort, er steht Nun zwischen denen, die für immer groß sind, Gelehrten Weisen eine neue Bibel.

Alles umsonst! Auch er war nicht sein Sohn mehr.

Langsam, verstohlen seltner Gast bei ihm Über die Wange da floß eine Träne

Dem alten Job. Nur Gott weiß, wie das kam.

Es galt die Träne seinem jüngsten Sohn.

Den stieß er nicht ins Weltgetrieb hinaus,

Von allen drein war er der liebste ihm.

Ein muntrer Bursch war er, ganz reines Herz, Das wahre Abbild seines lieben Weibes,

Ein mutwilliges, lustiges, nettes Kind,

Das jeder ausschilt und doch jeder liebt.

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