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Gesetzmäßigkeit und Gesetze< 175
Ewigkeit zurück. Daß die Parteiführer nicht Gelegenheit nehmen, dem Volke vor Augen zu halten, in welchem Maße sich der Nürn- berger Prozeß zu einer historischen Dokumentation entwickelt hat und welche Folgerungen sich aus den vernichtenden Erkennt- nissen ergeben, daß sie es nicht vermögen, ihm die Erholung aus den Verwirrungen der Niederlage gerade durch die Härte der Lehre darzustellen, daß es ihnen nicht geglückt ist, ein leidenschaft- liches Begehren nach Bestrafung der Schuldigen, nach Aechtung der großen und kleinen„Führerbefehlsausführer“, nach Atomzertrüm- merung jeder militärischen Regung zu erwecken und ihre Streit- barkeit und Unerschrockenheit nach dieser Richtung landauf, landab zu bewähren— darin besteht ihr geschichtliches Versäum- nis. Wir brauchen Parteiführer, die sich nicht hinreißen lassen,
ihren Ehrgeiz in abgegriffenen Scheidemünzen statt in Medaillen von scharfem Gepräge zu suchen und Statistiker der Stimmungen
statt Politiker des Grundsages zu sein. f
Einig sind alle Vernunftbegabten darin, daß die Ausbreitung der Hegelschen Theorie, die den Staat über die Persönlichkeit stellt und dadurch die Würde und das ursprüngliche Recht des Menschen verlegt, den Nationalsozialismus begünstigt hat. Aber in der Ge- schichte begibt sich nie eines ohne ein anderes. Wir kennen den Ruf nach der„‚Staatsautorität“, der in der Weimarer Republik weit öfter gegen die wirklichen Demokraten als gegen die Gegner er- tönte, und wir wissen genau, daß die Unterwerfung unter die so- genannten höheren Gebote der Staatsräson immer dann verlangt wurde, wenn die Staatslenker so hilflos waren, daß sie nur noch mit dem Ausnahmeparagraphen regieren konnten. Weil wir das wissen, und weil wir nicht vergessen haben, wer damals sprach und handelte und was gesprochen und gehandelt wurde, darum wollen wir an der Spitze der Parteien heute nicht Leute sehen, die von jenen Tagen her traurig belastet sind, sie mögen heißen, wie sie wollen. Und ebenso wie wir mit den Nationalsozialisten ihre geistigen Wegbereiter auf eine Stufe stellen müssen(woran die Tatsache nichts ändert, daß manche von ihnen, die den„neuen Nationalismus“ und den„neuen Sozialismus“ gepredigt hatten, von den Usurpatoren später verfolgt wurden), so müssen wir alle diejenigen als Feinde einer deutschen Demokratie betrachten, die wiederum mit totalitären Methoden arbeiten und den der echten Demokratie heimlich Widerstrebenden Wasser auf die Mühle leiten
. oder, noch schlimmer, in den Augen der Unwissenden und Un-
bescholtenen die Demokratie diskreditieren, indem sie mit berech- nender und doch durchschaubarer Maskerade ein falsches Bild von ihr geben und die Besorgnis nähren, daß sie nicht zögern würden, die freie Demokratie zu unterdrücken, sobald sie mit Hilfe ihrer


