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Der Machtkomplex 31
künftiger Wege bestimmt. So wie der Journalist schreiben muß, muß der Politiker handeln: als seien die Dinge, die er kommen sieht, bereits geschehen. Ihre Tragweite, die ein weniger gut über- schauender und weniger stark erkennender Geist erst nachträglich, oft auch dann schwer, zu datieren vermag, hat er schon im Augen- blick ihres Entstehens zu erfassen. ,„Wo das Jahrhundert sinkt, muß man es stüßen“, sagte Joubert. Wie aber, wenn niemand merkt, daß es sinkt? Zweimal hintereinander haben wir es erlebt, daß Deutschland dem Abgrund zugeführt wurde, weil niemand den Anfängen dazu widerstand. Das Kommende darf nicht auf der Unaufrichtigkeit aufgebaut sein, die wie ein Mühlstein an allen Handlungen der Weimarer Republik hing— vom Kampf gegen die„‚Kriegsschuldlüge‘“ angefangen, über die geheimen Waffen- lager, die Schwarze Reichswehr, die Auslandsanleihen, mit denen man hinterher den verlorenen Krieg doch noch gewinnen wollte (sie waren angeblich aufgenommen, damit man Reparationen zah- len konnte, dann zahlte man weder Reparationen noch die Anleihen zurück), bis zum Regieren mit dem Paragraphen 48 einer Verfas- sung, die gefälligerweise mit diesem Paragraphen ihre Willfährig- keit erklärt hatte, sich einfach aufheben zu lassen. Es ist wie ein Symbol, daß die Ziffer des Paragraphen an das Jahr erinnert, in dem die deutschen Demokraten ihren ‚„Völkerfrühling“ in dunkel- sten Winter verwandeln ließen. Gewisse Erscheinungen von heute rufen allzusehr das Gedenken an die Gründung der„Deutschen Staatspartei‘“ wach, jenen Versuch, aus zwei Wracks ein Schiff zu bauen. Gewisse Kreise, die sich als Märtyrer aufspielen, fordern allzusehr historische Wahrheiten heraus wie die, daß das Reichs- banner Schwarz-Rot-Gold einmal eine ungeheuere Macht ungenütt in Händen hatte und Jahre eifrigster Arbeit damit krönte, daß es sich, als der kritische Moment gekommen war, durch einen Schein von Legalität der Usurpatoren, der auch als Schein nur mikro- skopische Formen hatte, düpieren ließ und nicht binnen Tagen, nicht binnen Stunden, sondern binnen Minuten die Segel strich und von der Bildfläche verschwand. Andere wieder sehen wir zurückkehren, die im Frühjahr 1933 als Gewerkschaftler so weit- blickend waren, daß sie glaubten, wenn sie nur recht scharf den Trennungsstrich gegen die sozialistischen Parteien zögen, blieben sie zugelassen, und die sich dann am 1. Mai Büros, Kassen und Mitglieder rauben ließen, nachdem ihnen durch einen raffinierten, aber im Grunde voraussehbaren Schachzug der 1. Mai als Arbeiter- feiertag ebenso gestohlen worden war wie das Geld. Sie alle er- klären: wir haben gelernt. Wir zweifeln nicht daran, daß sie ge- _ lernt haben. Aber um das Volk davon zu überzeugen, müßten sie das Gegenteil von dem tun, was sie heute tun. Sie beanspruchen


