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Verantwortlichkeit vor der Geschichte
maßen gekennzeichnet hat:„Es gibt keinen Republikaner in Frank- reich, der an die Möglichkeit einer Dauer der Republik glaubte, und keinen Royalisten, der an die Möglichkeit baldiger Herstel- lung der Monarchie. glaubte.“ Nicht auf Republik oder Monarchie kommt es dabei an, sondern auf das Kriterium der Unstabilität, des fehlenden statischen Momentes in der Dynamik der Gescheh- nisse. Dadurch erhält ein gewisses Mißtrauen gegenüber allen Ver- änderungen Berechtigung, das vielleicht in der momentanen Reali- tät gar nicht begründet, aber nicht abzuweisen ist, und weil es nicht abzuweisen ist, Schaden stiftet. Fraglos ist heute in Deutschland niemand mehr, der sich offen zu seinen schlechten Instinkten bekennt oder offen der scheußlichsten aller Vergangenheiten nach- trauert. Aber wie steht es damit im geheimen? Werden die Dinge nicht öffentlich, weil sie sich nicht mehr oder noch nicht wieder an die Oberfläche getrauen, oder sett sich ein neuer Grundzug der Ehrlichkeit durch? Man befreit sich nur schwer von dem Argwohn, daß die Selbstverständlichkeit, womit alle im vernichtenden Urteil über Herrn Hitler einig sind, nur eine Art von gesuchtem Alibi zu bedeuten hat. Die Begreiflichkeiten liegen im Gebiete der Vorstel- lung, sagt Schopenhauer; die Unbegreiflichkeiten treten ein, wenn man an das Gebiet des Willens stößt. Wir wollen nicht ungerecht sein, aber um es nicht zu sein,‘bedürfen wir der Klarheit. Man hat Napoleons Triumphe davon-abgeleitet, daß er ein Sammel- becken der Unzufriedenen war. Mit Hitler war es kaum anders. Neben der allgemeinen politischen Unreife, neben den geheim- bündelnden Generalen, der reaktionären Eisenstirnigkeit der In- dustrieritter und Krautjunker, neben der falschen Toleranz und dem Mangel an Selbstvertrauen bei den republikanisch-demokra- tischen Politikern verhinderten nach dem ersten Weltkriege Infla- tion und Arbeitslosigkeit jeden Durchbruch der Vernunft. Wie Irrlehren nur im Chaos gedeihen, so gedeiht Demokratie nur in Zuständen, die das tägliche Leben nicht zu einer beständigen Hölle machen. So richtig es ist, immer wieder auf die Ursachen hin- zuweisen, so wenig darf man damit rechnen, daß jeder das für sich zu tun vermag, was so einfach und vernünftig erscheint: Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten. Vergebens wird man einem Menschen, der zu ertrinken droht, in die Ohren schreien: Denke an den, der dich ins Wasser gestoßen hat. Unter den Flüchtlingen aus dem Osten sind viele, die darüber sehr genau Bescheid wissen; und doch verfallen sie in ihrer trostlosen Lage den primitivsten Regungen eines ohnmächtigen Zornes über ihr Schicksal, doch ver- stehen diejenigen unter ihnen, die sich— mit welchem Rechte immer— für alte Gegner Hitlers halten, nicht, warum auch sie
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