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Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
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Deuische Tragödie 13

ein Instrument der Ultima ratio, zu Soldaten machen, neigt der Deutsche dazu, den Menschen in Uniform als Prima ratio an die Spite aller Politik zu stellen. Es ist zu bequem zu behaupten, daß die Militaristen und Nationalisten die bösen Geister waren, deren Verführung oder deren Gewalttätigkeit die übrigen unterlagen. Schließlich kann eine Entwicklung, die sich durch die Jahrhunderte fortsegt und steigert, nicht dauernd einer angeblichen Minderheit zur Last gelegt werden, ohne daß die angebliche Mehrheit, die kein Mittel gegen ihre Vergewaltigung findet, dadurch belastet wird. Erklärungen und Entschuldigungen sind an jedem Punkte der Welt- geschichte zur Stelle. Aber so viele Erklärungen aus der Zeit unserer Vorfahren sind für uns Lebende nicht ebenso viele Recht- fertigungen unserer Handlungen und Unterlassungen, sondern höchstens unserer Existenzbedingungen. Der erste in der nicht langen Reihe der Botschafter, die Groß- britannien seit 1918 nach Deutschland schicken konnte, Viscount dAbernon, zitiert in seinen Memoiren einen Sat aus dem Munde eines deutschen Studenten:Ich für mein Teil mache meine Wer- tung eines menschlichen Wesens davon abhängig, ob es zu den Problemen des Kosmos eine entsprechende Einstellung besitt. Dem Gewährsmann, der dem Botschafter diese Aeußerung über- mittelte, erschien sie typisch für die deutsche Lebensanschauung. Er fügte hinzu, viele Deutsche hätten den Doppelehrgeiz, zugleich Siegfried und Faust zu sein. Damit hat er jene nationalsozialistische Kriegslyrik vorweggenommen, die den.deutschen Soldatenin der rechten Hand die Wurfgranate, in der linken Goethes Faust zudiktierte. Und der Schriftsteller, der einem seiner Bücher in Amerika den Titel gab:.‚Krieg und Musik, die Geschichte der Deutschen, hat für das gleiche Phänomen die pointierteste For- mulierung gefunden. Doppelwesen sind entweder Ausgeburten der Hölle oder der Phantasie, in jedem Falle der Romantik, die als geistiger Ausdruck selber ein Zwitter aus Kindlich-Gemütvollem und Kindlich-Blutrünstigem ist. In der Kunst können sehr schöne Wirkungen daraus entstehen, in der Politik nur verheerende. Andere Völker haben sich damit auf die Kunst beschränkt, Deutsch- land hat Politik damit gemacht. Was anderwärts bloß eine Strö- mung war, wurde hier Charakter. Im ersten Viertel dieses Jahr- hunderts erschien in Deutschland eine Zeitschrift, betiteltDie Tat und herausgegeben von dem Verleger Eugen Diederichs in Jena. Als er gestorben war, 1930, bezeugte ihm ein Nachruf, daß er viele Symbole gehabt habe: Ob es die Tischdecke war, an der Nietsche gesessen und geschrieben hatte, eine Buddhastatue oder ein chinesisches Gewand, alles hatte Bedeutung für ihn und alles bekam Bedeutung durch ihn. Witterte er eine schwierige, gegen-

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