Druckschrift 
Vom künftigen Deutschland : Aufsätze zur Zeitgeschichte / Erik Reger
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen

- schen Hitlers Anfang und Weimars Ende; und so fort, bis auf diese den

groteske Weise doch noch Hitlers‚Tausendjähriges Reich zu-= stande kommt. erl Solange man es nicht zuwege bringt, unser Volk urteils fähig zu an: machen, solange wird immer wieder falsches Denken den Schritt u zur Wahrheit stören. Nicht, weil Wahrheit unpopulär zu sein pflegt, gel ist so viel und so großes Elend in der Welt, sondern weil gefähr- bil liche Irrtümer meist als populäre Wahrheiten verkleidet gehen. ge | Hitlers Propaganda war darauf aus, der Welt ein..deutsches Wun- wi # der vorzugaukeln, das uns die Schamröte für ewige Zeiten ins Sin & Gesicht treiben müßte, wenn wir niemals dahin kämen. daß wir vol k unsere innere Freiheit einmal uns selber zu verdanken hätten. Von 502 5 der positiven Aufgabe, der höheren Pflicht reden heute allerdings sec ä viele, die schon vor zwanzig Jahren davon geredet haben, ohne sie Gr el zu erfüllen. Wir werden in Zukunft streng unterscheiden zwischen den denen, die sich im Schönrednertum erschöpfen, und denen, die sich Ni ihrer Aufgabe in Demut unterziehen. Demut ist ein sehr tiefes hei Wort unserer Sprache. Nach seiner Wurzel bedeutet es den Mut sid zum Dienen. Da wir ohne den Sieg der alliierten Heere nicht zu all uns selbst gekommen wären, haben wir sozusagen alle als Kriegs- Na gewinnler zu gelten. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist im Grunde Er! gering. Folglich haben wir keine Ansprüche zu stellen, außer an die

uns selbst. Deutschland ist in vieler Beziehung merkwürdig und absonderlich, voll des Bewundernswerten und voll des Hassens-

werten, aber daß es nicht genug Männer hätte, eine demokratische

Republik Deutschland demokratisch zu regieren und getarnte

Feinde ebenso wie unfähige Freunde zu überwinden, ist ein Irr- tum. Diese Männer sind zu einem geistigenVolkssturm auf- geboten, um durch ihr Selbstvertrauen dem deutschen Volke das Maß an Vertrauen der Welt zu gewinnen, das neben vielem anderen

auch die Dauer der Besetung unseres Landes bestimmen wird. Materielle Garantien wiegen wenig gegen geistige. Trotdem lebt der Mensch wie nicht vom Brot allein, so auch nicht vom Geist allein. Wenn wir Gerechtigkeit erstreben, dürfen wir auch dort picht ungerecht sein, wo die allerpersönlichste Misere uns dazu ver- leiten möchte. Wir haben gehört, daß in England die Lebensmittel- rationen gekürzt wurden, damit an das hungernde Europa etwas abgetreten werden kann. Wir haben gehört, daß die Amerikaner auf die Rückkehr zu ihrem gewohnten Lebensstandard verzichteten: zugunsten der Länder, die durch deutsche Schuld fast alles Not- wendige entbehren. Wir haben nichts abgegeben, wir haben nur weggenommen. Wir haben den unterjochten Völkern das letzte Brot geraubt, um uns in die Illusion zu wiegen, wir könnten uns

auch im Kriege ausreichend ernähren. Was immer wir heute lei-