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Zwillinge : Einführung in die Zwillingsforschung / von Reinhold Lotze
Entstehung
Seite
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Furchung ‚al

Nach der Befruchtung setzt eine Teilung der befruchteten Eizelle ein, ein Vor- gang, der als Furchung bezeichnet wird. Über den Verlauf dieses Vorgangs beim Menschen liegen zwar keine Beobachtungen vor; er erfolgt aber wohl in ähnlicher Weise wie bei anderen Säugetieren, bei denen er genau untersucht worden ist. Bei der ersten Zellteilung ordnen sich die Chromosomen des Zellkerns wie bei jeder normalen Zellteilung in der künftigen Teilungsebene an; sie spalten sich der Länge nach; daraufhin wird durch einen außerordentlich genau und sicher wirkenden Ver- teilungsapparat von jedem Chromosom die eine Spalthälfte zum einen Pol, die andere zum anderen Pol hingezogen. Gleichzeitig bildet sich in der kugelförmigen Zelle eine äquatoriale Furche aus; nach dieser Furche schnürt sich die Zelle durch, so daß damit aus der einen Zelle zwei Zellen entstehen. Die Richtung, in der die Anordnung des Chromosomensterns und später die Durchschnürung erfolgt, wird durch das bei der zweiten Reifeteilung abgetrennte Richtungskörperchen bestimmt, das eben daher den Namen erhalten hat. Aus der befruchteten Eizelle entstehen durch die erste Teilung zwei Furchungszellen; durch weitere Teilungen erhöht sich die Zahl der Zellen auf 4, 8 und mehr.(Bild 4 und 5.)

Bild 5. Furchung des Eies der Maus. Von der befruchteten Eizelle(mit Richtungskörperchen) bis zur Morula.(Nach Broman.)

Bei niederen Wirbeltieren, insbesondere den Amphibien, bei denen die Verhält- nisse am besten erforscht sind, bildet sich durch die wiederholten Furchungsteilungen schließlich ein kugeliger Zellhaufen, die Morula, aus dieser eine hohle Zellkugel, dieBlastula, und aus ihr weiterhin durch Einstülpung die Gastru la. Bei den Säugetieren sind infolge der besonderen Verhältnisse der Ernährung des Keims im mütterlichen Körper die Vorgänge der Entwicklung stark abgewandelt. Zuerst bildet sich allerdings auch hier eine Mor ula aus. Durch die Zellteilungen des Furchungs- prozesses wird zunächst nur die Zahl der Zellen vermehrt; die Größe der Einzel- zellen verringert sich mit jeder weiteren Teilung, so daß die Morula kaum srößer ist als das Ei selbst. Während der Furchung durchwandert der menschliche Keim im Zeitraum von einigen Tagen den Eileiter, bewegt von dessen Flimmerzellen, und gelangt auf diese Weise in die Höhle der Gebärmutter, des Uterus. Hier setzt er sich in der Schleimhaut fest, welche die Höhle innen auskleidet, ja er frißt sich richtig in sie ein. Aus der Schleimhaut heraus erhält er reichliche Nahrung, so daß er nunmehr wesentlich schneller zu wachsen vermag. Die Morula bildet sich dabei zu einem Gebilde um, das zwar keine eigentliche Blastula darstellt, aber ihr doch ungefähr entspricht und als Keimblase(Blastocyste) bezeichnet wird(Bild 6b). Außen bildet sich eine aus einer einschichtigen Zellenlage bestehende Wand, der Trophoblast, aus; die Trophoblastzellen dienen ausschließlich der Ernährung des Keims. Im Keim entstehen kleine Höhlungen; an der einen Seite bildet sich ein kompakter Zellhaufen, der Embryonalknoten, aus, der ins Innere des Keimes vor- springt(Bild 6c). Aus ihm entsteht später der Embryo. Der Embryonalknoten zer- lest sich im Laufe der weiteren Entwicklung in zwei Zellgruppen, ein Ektoderm und ein Entoderm(Bild 6d). Aus der tiefsten Schicht des Embryonalknotens wächst das Dotterentoderm in der in Bild 6d und e dargestellten Weise aus; die Zellen schließen sich zusammen und bilden einen Hohlraum, den Dottersack (Bild 6f); er ist beim Menschen von vornherein nicht besonders groß und bildet sich