bei diesen Besichtigungen festgestellten Zustände sind unbeschreiblich. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendwo anders ein größerer Wirr- warr bestanden haben kann als in dem Warschauer Ghetto. Die Juden hatten alles in ihren Händen, von chemischen Mitteln zur Anfertigung von Sprengstoffen angefangen bis zu Bekleidungs- und Ausrüstungs- stücken der Wehrmacht. Die Betriebsführer hatten in ihren Betrieben so wenig Übersicht, daß es den Juden möglich war, innerhalb dieser Betriebe Kampfmittel aller Art, insbesondere Wurfgranaten und Molotow-Cocktails usw. herzustellen... 1°).
Aus dem Tagebuch eines Kämpfers'"°)
Dienstag, den 20. 4. 1943
Wir beziehen unsere Stellungen. Wir warten. Eine Stunde vergeht. Es vergehen zwei. Die Deutschen sammeln sich und beraten. Etliche höhere Offiziere sind inzwischen angefahren gekommen. Plötzlich hören wir Stimmen am Tor. Die Deutschen betreten den Hof. Sie marschieren im Gänsemarsch. Ihre Gesichter sind besorgt. Die Gewehre halten sie schußbereit. Eigentlich gehen sie nicht, sondern eilen im Laufschritt an den Mauern entlang. Mein Freund und ich lassen die ersten sechs pas- sieren. Für so eine kleine Gruppe ist uns die Handgranate zu schade. Dann kommt eine ganz Gruppe. Wir haben zwei Handgranaten eigener Fabrikation, zehn Flaschen mit flüssigem Sprengstoff und Stutzen.
„Salomon!”), zünd an!“ rufe ich meinem Freund zu und schleudere gleichzeitig meine Handgranate in die Gruppe hinein. Eine Explosion und etliche Tote. Wir werfen Zündflaschen, und mehrere Soldaten stehen in Flammen da. Sie decken uns mit einem Kugelhagel ein. Wir ziehen uns zurück, denn wir haben ja nur noch eine Handgranate. Die wollen wir uns für später aufsparen. Wir steigen höher hinauf und nehmen nun eine Stellung mit anderen Kämpfern gemeinsam ein. Auf einmal ist alles still. Die Soldaten sind verschwunden.
175) Sie wurden in der Hauptsache von Michal Klepfisz fabriziert, der das Polytech- nikum in Warschau besucht hatte. Er war einer der Führer des„Bund“ und fiel schon am 2. Tag des Aufstandes. Die poln. Exil-Regierung London verlieh ihm 1944 nach- träglich den Orden„Virtuti Militari“.
176) Neustadt, Seite 274, Simcha Rathauser(Pseudonym:„Kazik“) gehörte der zion. Jugendorganisation„Akiba“ an und lebt heute in Israel.
177) Salomon Schuster, gefallen im Aufstand.
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