DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG
ebenso wie Heydrich und das„Schwarze Korps” eine endgültige Abrechnung mit den Juden für den Fall des Kriegsausbruches vor- aus, zog es aber vor, sie in der Zwischenzeit mehr methodisch und zu einem höheren, in fremder Währung zu entrichtenden Preise zu verkaufen. Diese Meinungsverschiedenheit trat klar hervor, als Heydrich sich dessen rühmte, daß er in den acht Monaten seit dem Anschluß 45 000 Juden zum Verlassen Österreichs gezwungen hatte, während nur 19000 aus dem Altreich die Bewilligung zur Auswanderung erhalten hatten. Seinen Erfolg führte er auf seine eigene Strategie zurück, die jüdische Gemeinde dazu zu zwingen, ausländische Vermögenswerte von reichen Juden zwecks Finan- zierung der Auswanderung der armen einzuziehen. Hier wandte Göring ein:„Aber Kinder, habt Ihr Euch das einmal überlegt? Es nützt Euch auch nichts, daß wir vom jüdischen Mob Hunderttau- sende herauskriegen. Habt Ihr Euch überlegt, ob dieser Weg nicht letzten Endes so viel Devisen kostet, daß er auf die Dauer nicht gangbar ist?” Mit zur Schau getragener Fügsamkeit stimmte Heydrich zu, daß man auf diese Weise höchstens 8—10 000 Juden jährlich zur Aus- wanderung zwingen könne; in Wirklichkeit hatte er aber ganz andere Absichten. Er hatte gerade 20000 Juden festgenommen, die seine Beauftragten auf Grund ihres Reichtums oder auf Grund ihrer sozialen Stellung für die Konzentrationslager ausgesucht hat- ten. Indem er diesen„November-Juden“ die Daumenschrauben anlegte, glaubte er, das Reisegeld für eine um vieles größere An- zahl von Juden herauspressen zu können— vorausgesetzt, daß ihm niemand ins Handwerk pfuschte. Aber in diesem Augenblick, nämlich am 12. November 1938, bestanden verschiedene Anzei- chen dafür, daß Heydrich und die Gestapo ihre unbestrittene Herr- schaft über die deutschen Juden verlieren könnten. Die Bemühungen, internationale Hilfe für deutsche Juden zu or- ganisieren, gipfelten im Juli 1938 in der Konferenz von Evian, aus der ein von Mr. Rublee in New York geleitetes Zwischenstaatliches Komitee für die Erleichterung der Auswanderung hervorging. Am 18. Oktober, nachdem sowohl der britische als auch der amerika- nische Botschafter verlangt hatten, daß mit Mr. Rublee in Berlin verhandelt werde, erhielt Ribbentrop den folgenden Bericht seines Staatssekretärs Ernst von Weizsäcker®:
„Das Comite... wolle... um seine Lebensfähigkeit darzutun,


