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ERSTES KAPITEL 3. DER SCHACHT-PLAN UND SEIN VERSAGEN
selbstverständlich, daß auch wir in Deutschland in allererster
Linie daran denken werden, eine große Abrechnung an den
Juden zu vollziehen.” In späteren Jahren kann man Göring ein gewisses Ausmaß von Interventionen zugunsten von Juden zugute halten. Im April 1940 hob er die angeordneten Ausweisungen aus den eingegliederten polnischen Gebieten auf, und im Herbst 1941 erzielte er für die Familien von jüdischen Rüstungsarbeitern im Reich einen Aufschub von mehr als einem Jahr. Görings Freund, der General der Luft- waffe Karl von Bodenschatz, sagte auch aus, daß Göring zugun- sten einzelner Juden intervenierte, deren Fälle ihm berichtet wor- den waren®. Von diesen drei Arten von Interventionen war die erste auf Görings Furcht vor Rückwirkungen im Ausland, die zweite auf sein Interesse an der Erfüllung des Programms der Waffen- erzeugung und die dritte auf seine persönliche Eitelkeit zurück- zuführen. Görings wahre Gefühle in bezug auf die Juden finden sich in seinen durch keine Rücksichtnahme beeinflußten Äußerun- gen vom 12. November 1938. Zweimal später, im Januar 1939 und im Juli 1941, hat Göring Heydrich den allgemeinen Auftrag zur „Lösung der Judenfrage“ gegeben. Göring war sich nicht nur voll- kommen im klaren über die Methoden, mit denen Heydrich diesen Auftrag ausführte, er behielt auch als Reichsmarschall die persön- liche Gewalt über Heydrich und war gelegentlich auch in derLage, sie auszuüben.(Siehe Seite 51 und 93.) Göring muß daher als ebenso verantwortlich für die Ausrottungen von 1942 angesehen werden, wie er es für die erzwungene Auswanderung des Jahres 1938 war. Auch darf man nicht vergessen, daß Heydrich, dem Gö- ring im Protokoll vom 12. November 1938 so deutliche Feindschaft bewiesen hat, von ihm selbst in die Höhe gebracht worden war, denn Görings Befürchtung, daß Röhms Pläne für eine revolutio- näre Wehrmacht im Jahr 1934 ein bolschewistisches System ins Leben rufen könnten, hatte dem SS-Staat den Weg gebahnt.
3. Der Schacht-Plan und sein Versagen
Der Zusammenstoß zwischen Heydrich und Göring, der das Pro- tokoll vom 12. November 1938 belebt, bezog sich auf die Auswan- derung der Juden. Heydrich begnügte sich damit, die Juden über die„grüne Grenze” abzuschieben, nachdem die Gestapo ihnen so viel Lösegeld abgenommen hatte, wie es zu holen gab. Göring sah
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