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Die Endlösung : Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939 - 1945 / Gerald Reitlinger ; ins Deutsche übertragen von J. W. Brügel
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DER ENDIOSUNG

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ERSTES KAPITEL 1. DIE NURNBERGER GESETZE

oder ob es selbst in seiner Reichshauptstadt noch Volljuden gab, die sich auf freiem Fuß befanden, beschäftigte ihn kaum noch. Nur in der Zeit vor Kriegsende scheint er sich dessen bewußt geworden zu sein, inwieweit seine Befehle unausgeführt geblieben waren und inwieweit das Judentum Europas die Ausrottungsmaßnahmen überlebt hatte, eine Tatsache, die er in dem politischen Testament anerkannte, das er am 30. April 1945 im Bunker der Reichskanzlei diktierte(Seite 541). Da er nun einmal das Teufelswerk in Gang ge- setzt hatte, gab sich Hitler mit der Annahme zufrieden, daß dieses die ihm zugedachte Aufgabe auch wirklich voll erfülle und nach allen Gesetzen der Logik hätte es das unter den gegebenen Um- ständen auch wirklich tun müssen. Ein kurzer Rückblick in die Ver- gangenheit scheint daher notwendig, um zu erklären, warum das nicht der Fall war.

Mitte 1934 waren die zwei Millionen Braunhemden, die Mitglieder der SA(Sturmabteilungen), der Kampftruppe der Partei, waren, in die Hände einer von Hauptmann Röhm, einem Abenteurer und Landsknecht, geführten radikalen Gruppe geraten. Erschreckt von dem Gespenst einer wahren Revolution innerhalb seiner Re- volution, ließ sich Hitler von Göring dazu überreden, Röhm und dessen Gefolgschaft massakrieren zu lassen und die SA zu ent- waffnen. Die Kontrolle der Polizeikräfte des Reiches ging nun auf natürlichem Wege auf Hitlers Leibgarde, dieSchutzstaffeln, über, die unter dem Namen55 besser bekannt sind. Diese Elitetruppe der Partei stand seit 1929 unter der Führung Heinrich Himmlers. Als Reichsführer SS bemächtigte sich Himmler 1934 der Herrschaft über eine Organisation, die nur alsStaat im Staate bezeichnet werden kann. Ihr war nicht nur Heydrichs politische Geheimpolizei oder Gestapo eingegliedert und damit das ganze weitverzweigte Netz des deutschen Polizeisystems, sondern Himmler baute inner- halb der nächsten fünf Jahre immer neue Abteilungen des SS-Ap- parates auf, von denen jede einen Aufgabenkreis hatte, der dem eines bestimmten Regierungsamtes entsprach. Das Netz war zum Schluß nahezu lückenlos, so daß es kaum eine Sphäre des Lebens gab, die bewaffnete Macht nicht ausgenommen, die frei von einer Überwachung durch die Polizei war. DieserStaat im Staate war etwas, was Hitler niemals im Sinne gehabt hatte. Er konnte nur mit der russischen NKWD verglichen werden, für die Hitler keine Be- wunderung hegte. Hitler war sich der Gefahren bewußt, die dieser

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