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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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Das entsetzlich Neue bei unseren Verbrechen ist nun aber gerade die Leidenschaftslosigkeit, die kalte,-

rokratische, technisch perfekte Massenvernichtung.

Goethe sagt einmal in seinen Maximen:Der Han- delnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewis- sen als der Betrachtende. Hier aber war der Betrach- tende, der ruhig und warm an seinem Schreibtisch Sitzende, der Mörder. Die Volksseele kochte ja gar nicht, sie mußte künstlich angeblasen werden mit Welt-

anschauung und Rassenhaß.

Ein polnischer Zeuge sagte mir mit einem unvergeß- lichen Ausdruck von Ratlosigkeit:Wissen Sie, worüber ich nicht wegkomme? Daß eigentlich die Voraussetzun- gen für diese Massenmorde im polnischen Volk viel eher gegeben sind als im deutschen, nämlich im polni- schen Nationalismus, Chauvinismus, Antisemitismus und in der Intoleranz des Polen. Ich sagte ihm, daß ich glaube, es komme nur darauf an, ob einer die bösen Leidenschaften weckt, oder ob eine Regierung es ver- steht, die Kräfte, die zu solchen Fehlhaltungen und Grausamkeiten drängen, auf bessere Wege, zu besse-

ren Zielen zu steuern. Das ist alles gar nichts Neues.