zu können. Das„Anständigbleiben“ drückte sich für sie darin aus, daß sie den Kindern Bonbons schenkten, be- vor sie ihnen die tödliche Spritze ins Herz stießen, odeı den Selektierten die doppelte Suppenration austeilten. (Manchmal haben sie den Selektierten auch einfach gar nichts mehr zu essen gegeben!) Daß sie den Opfern vor der Gaskammer sagten, sie würden geduscht, ge- schah wohl einfach, um Panik zu vermeiden.
Aber auch darin mag ein trauriger Rest von Mensch- lichkeit mitgeschwungen haben. Die SS-Leute gingen doch davon aus, daß dies alles nun so sein„müsse”. Wenn sie total verkommene Unmenschen gewesen wären, würden sie ja später beim Raubmorden geblie- ben und nicht Buchhalter oder Krankenpfleger gewor- den sein.— Für viele Deutsche also wurde die Verfüh- rung durch eine systematisch gepredigte„Weltanschau- ung“ zum Fallstrick. Sag dem Deutschen etwas von Weltanschauung, und er folgt dir auf die höchsten Klippen und in die tiefsten Schächte! Es ist kein Zufall, daß es das Wort„Weltanschauung“ in Amerika origi- när nicht gibt. Es gibt ja unter allen Völkern der Erde Beispiele genug, daß durch revolutionäre oder durch kriegerische Verhetzung aufgepeitschte Leidenschaften
zu Unmenschlichkeiten fähig machen


