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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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trennt, hatte die Mutter vor dem Aussteigen das Drei- jährige auf den Arm genommen, der damals knapp siebzehnjährigen Tochter den Zweijährigen auf den Arm gegeben und ihr ein Kopftuch umgebunden, da- mit sie älter wirken und für die Mutter des Kleinen ge- halten werden sollte. Die anderen vier Geschwister, vier-, sieben-, zehn- und vierzehnjährig, standen da- bei. Der Arzt, den die Zeugin seit damals sucht, entriß ihr den kleinen Bruder, warf ihn der Mutter zu, die ihn nicht auffangen konnte, da sie das Dreijährige auf dem Arm hatte, und kommandierte die große Schwester zu denArbeitsfähigen, die übrige Familie ins Gas. Na- türlich wurde das nicht gesagt, man forderte die zum Tode Bestimmten vielmehr auf, wegen ihrer Übermü- dung den Wagen ins Lager zu benutzen. Erst am näch- sten Tag beim Küchendienst, als die große Schwester nach ihrer Familie fragte, erhielt sie von einer Aufse- herin die lakonische Antwort:Die sind schon längst

durch den Schornstein.

Mich verfolgt nun eine im Grunde unsinnige Frage: Hat dieser Arzt gemordet oder gerettet? Die Anweisung, daß etwa siebenhundertfünfzig ins Gas geschickt wer-

den müßten, hat er nicht gemacht; er hat so oft wie

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