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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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gefähr zweihundertfünfzig arbeitsfähige Frauen und Männer sollen ausgesucht werden, derRest von siebenhundertfünfzig wird gleich auf Lastwagen zu den Gaskammern gefahren. Das Gepäck wird natürlich allen sofort weggenommen, von bestimmten Häftlingskom- mandos in die BarackeCanada Symbol des reichen Landes gebracht und dort von der SS auf Schätze durchwühlt für die SS, für die Front, fürs Winterhilfs- werk, je nachdem. Nun stehen da also auf der Rampe ein paar Ärzte und sollen die Entscheidung über Leben und Tod treffen. Alle Angeklagten bestreiten, je auf der Rampe Dienst getan zu haben. Zeugen erkennen aber diesen und jenen wieder, haben damals seinen Namen

gehört und haben diesen nie vergessen.

So auch eine Zeugin aus Amerika. Sie ist für ihr Leben so schwer geschädigt, daß sie noch heute so elend aus- sieht, als sei sie eben aus Auschwitz entlassen worden. Vor der Verhandlung sagte sie zu mir:Seit zwanzig Jahren warte ich auf den Tag, an dem der Name des Mörders meiner Mutter und meiner geliebten kleinen Geschwister vor irgendeinem Gericht auftaucht, damit ich die Wahrheit aussagen kann. Weil im Waggon die

Meinung vertreten wurde, Familien würden nicht ge-