Was die Freundlichkeit, das Vertrauen und die Dank- barkeit der Zeugen uns gegenüber bedeutet, kann man sich nur klarmachen, wenn man sich ihre Erlebnisse in Auschwitz immer wieder vergegenwärtigt. Dort sind mindestens zweieinhalb Millionen vergast, erschossen oder durch Spritzen getötet worden, oder sie sind in Stehbunkern verhungert oder an Typhus gestorben. Etwa sechzigtausend haben überlebt. Eine Chance zum Überleben hatten vor allem Ärzte, Sanitäter, Sprachkundige, die als Schreiber und zum Dolmetschen benutzt wurden, Handwerker, die unter Dach arbeite- ten und die zur Erhaltung des Lagers und der Wach- mannschaft nötig waren. Das waren die„Privilegier- ten“; in diese Funktionen einzurücken, hatten zunächst
Deutsche eine Chance.
Von den übrigen konnten nur die Jüngeren, sehr Ge- sunden überleben, die Wendigen und die Meister im Organisieren, oder Menschen, deren unerhörte seeli- sche Kraft den Körper hielt, was immer ihm zugemutet wurde. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wie ein Mensch es überleben kann, daß er erst ohn- mächtig geprügelt, dann gezwungen wird, einen ver-
salzenen Fischsalat zu essen, diesen ausbricht, unter
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