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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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Schlägen gezwungen wird, das Erbrochene abermals zu essen, und es dann übersteht, mit den Händen auf dem Rücken zusammengebunden für Stunden an einen Pfahl gehängt zu werden; er stirbt auch nicht, wenn er kurz darauf in eine Stehzelle von achtzig Zentimetern im Quadrat gesperrt wird und nur jeden dritten Tag einen Teller dünne Suppe bekommt. Aus irgendeinem Grund soll er nicht gänzlich verhungern wie seine Stehzellennachbarn, die nach dreizehn qualvollen Ta- gen sterben. Recha! Dreizehn Tage dauert es, bis du verhungert bist. Die Verhungernden brüllten voı Schmerzen; einer hat seine Schuhe aufgegessen. Ich wollte Dich eigentlich verschonen mit solchen Gräß- lichkeiten, weil die Zeitungen ohnehin davon voll sind. Aber wenn du einem Menschen gegenüberstehst, der das durchgemacht und überlebt hat, so hast du das Ge- fühl, es ihm schuldig zu sein, dieses Erlebnis voll ins Auge zu fassen und ihm nicht auszuweichen und es

auch weiterzuerzählen.

Und der Mann, der das durchgemacht hat, war ohne Haß! Kannst Du verstehen, daß eine solche Begegnung ein großes Geschenk ist, daß eigentlich wir, die wir mit

ihm zusammensein dürfen, die Nehmenden sind?