kommt uns eine Dankbarkeit entgegen, die überwälti- gend und beschämend zugleich ist. Daß wir ihnen eine gute Lesebrille oder ein Hörgerät oder orthopädische Schuhe verschaffen können, daß wir sie zur Gerichts- kasse durch die turbulente fremde Stadt begleiten, daß wir sie zum Essen einladen und sie zum Hotel zurück- bringen, wo sie ausruhen und uns wieder erreichen können, wenn sie uns brauchen, das gibt ihnen das Ge-
fühl einer gewissen Geborgenheit, das ihnen wohltut
Wie schwer es ist, ihr tiefsitzendes Mißtrauen zu über- winden, erlebte ich auch im Zusammensein mit einem Polen. Nachdem er zwei Tage lang äußerst zurückhal- tend gewesen war, immer auf der Hut, fragte er mich: „Meinen Sie, ich könnte einfach in ein Restaurant ge- hen und ein Essen bestellen?“-„Warum denn nicht?”- „Meine Frau hat mich beschworen, es nicht zu tun. Sie fürchtet, ich würde vergiftet werden durch einen bestochenen Kellner!”—„Nein, das wird ganz gewiß nicht geschehen, in Deutschland sind nun wieder klare, saubere Verhältnisse, die Pest ist vorüber!”—„Wirk- lich? Aber es laufen so viele der früheren Verbrecher frei herum, sogar einige von den hier angeklagten. Ich
habe meiner Frau versprechen müssen, nichts über


