e
Uns dient, wie ich Dir schon schrieb, das Rote Kreuz als Schirmherr. Du kannst auch sagen, als„Visiten- karte“. Eine wirklich gute Visitenkarte ist es nicht, denn das Deutsche Rote Kreuz war— ebenso wie die Kir- chen- die große Enttäuschung der Häftlinge. Es hat sich nur oberflächlich Zugang zu ihnen verschafft oder ver- schaffen können und hat das Entsetzliche, das in den Konzentrationslagern geschah, nicht in die Welt hin- ausgeschrien, hat nicht für Erlösung gesorgt oder sorgen können. Vielmehr wurde in den Sanitätskraftwagen des Deutschen Roten Kreuzes das Giftgas transportiert, mit dem die Juden zu Hunderttausenden umgebracht wur- den. Für diesen Mißbrauch kann man die Leitung des Roten Kreuzes wahrscheinlich nicht verantwortlich machen, aber das ist die Erfahrung, die die ehemaligen Häftlinge mit dem Roten Kreuz verbinden. So erklärt es sich, daß der Brief von manchen mit großem Miß- trauen gelesen wird, in dem wir den Zeugen unsere Betreuung und Hilfe anbieten, und den sie gleich nach der Ladung zum Prozeß, also noch in ihrer Heimat, be- kommen, er trägt ja das Zeichen des Roten Kreuzes. Wenn wir sie in Frankfurt in Empfang nehmen, sind manche zunächst äußerst zurückhaltend, bis sie mer-
ken, daß wir es aufrichtig mit ihnen meinen. Dann


