Dokument Nr. 37. Brief Papens an Neurath:
Wien, den 1. September 1937
Vertraulich.
Lieber Neurath!
Ich möchte Sie von einer mehrstündigen Unterhal- tung über die deutsch-österreichische politische Lage in Kenntnis setzen, die ich gestern mit dem Bundeskanz- ler in Gegenwart des Staatssekretärs*) hatte. Die. Aus- sprache entsprang meiner Imitiative, weil ich der An- sicht bin, daß wir bei Fortdauer der gegenwärtigen unbefriedigenden Lage nur allzu leicht wieder in eine Spannung hineinschlittern, die ungewollte Konsequen- zen haben kann.-
Ich habe dem Bundeskanzler klarzumachen ver. sucht, daß die Politik der Aufrechterhaltung eines freund- schaftlichen Verhältnisses zum Reiche von ihm stärker unterbaut werden müsse wie bisher. Gegenwärtig sei es ein dünner Firnis, der die Außenwelt über die"stän- dig zunehmende Radikalisierung der nationalen Oppo- sition in Österreich täusche. Anstatt die Zusammen- treffen von Wels und Breslau als ein Ventil für die nationalgesinnte Bevölkerung zu benutzen, habe er durch die Tatsache, daß er die österreichischen Teilnehmer der nationalen Würdelosigkeit gexiehen habe, genau das Gegenteil erreicht. Die Methoden der vaterländischen Front, insbesondere des neuformierten Schutzkorps, ver- schärfien dauernd die Spannung. Unter Bezugnahme auf die Andeutung, die sie Staatssekretär Schmidt be- @üglich einer Verengung der wirtschaftlichen Zusammen- arbeit(Zollunion) gemacht hatten, versuchte ich, dem Bundeskanzler klarzumachen, daß bei aller Aufrecht-
*) Dr. Guido Schmid
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