Der Briefwechsel beleuchtet nicht nur die gewissenloser Methoden der nationalsozialistischen Kriegsvorberei- tung. Er zeigt auch, wie die Faschisten sich untereinan- der erpressen in dem Bestreben, nur ja ihren Krieg nicht zu gefährden.
Die Argumente Görings sind tatsächlich nur£ingiert. Er kann im Ernst nicht daran denken, die antifaschisti- schen Fronten durch Waffenlieferungen zu stärken. Doch er versu@ät, den Japaner zu düpieren. Aber sie kennen ihre eigenen Methoden beide zu gut, um sich nicht zu durchschauen.
Unabhängig oder nicht: Schicksal Osterreichs
Die Zeit, der die.meisten hier vorgelegten Dokumente entstammen, sind die Monate, in denen die Einver- leibung Österreichs vorbereitet und vollzogen wurde.
Das Spiel der Nationalsozialisten mit den Austro- Faschisten um Schuschnigg und seinen Außenminister Guido Schmidt wird durch eine ganze Reihe von Brie- fen geklärt. Hierbei spielt Franz von Papen, der „Außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter des Deutschen Reiches in besonderer Mission“ seine ge- wichtige unheilvolle Rolle. Am 1. September 1937 be- richtet er an den Reichsaußenminister von Neurath über eine Unterhaltung mit Schuschnigg und Schmidt. Bereits hier stellt er fest, daß die Linie des 11. Juli 1956 (des Tages, an dem auch das Freundschaftsabkommen mit Österreich abgeschlossen wurde) mit Schuschnigg nicht innegehalten werden könne, denn für Schuschnigg sei die Erhaltung der vollkommenen Unabhängigkeit Österreichs ein Glaubenssatz. Er prophezeit für die nächste Zukunft die Unhaltbarkeit der Lage und deutet eine Lösung mit anderen, nämlich gewaltsamen Mitteln an. Freilich müßte man Mussolini dafür gewinnen.


