dann aber im November 1940 das Gebiet um Auschwitz für die Errichtung dieses Werkes in die engere Wahl gezogen. Warum gerade Auschwitz, das kleine Städtchen, in dem es fast keine deutsch- sprachigen Bevölkerungsteile, sondern vor allem Polen und Juden polnischer Staatsbürgerschaft gab?
Otto Ambros, bis 1942„Betriebsführer“, des IG-Farbenwerkes Auschwitz, er- klärte später vor dem USA-Militär- gerichtshof, daß die Rohstofflager der Gegend entscheidend gewesen seien (IG-Farben-Prozeß Dokument NO NI 9542); auch auf die vor Luftangriffen ge- schützte Lage wurde mitunter hingewie- sen. Nur den wahren Grund versuchte
Einheimische von Haus und Hof
Der Baugrund für das neue IG-Werk war Eigentum polnischer Bauern. Die IG-Farben erwirkte mit Hilfe der SS die entschädigungslose Enteignung und De- portation der polnischen Eigentümer.
(s. Dokumente Nr. 2 und 3)
Nach diesem Rezept wurde auch in der Folge verfahren, wenn das Buna-Werk Raum brauchte, Rigoros wurden alle Hindernisse beseitigt. Auch die Klöster
man zu leugnen: Entscheidend für die Wahl von Auschwitz als Standort war das im Bau befindliche Konzentrations- lager.} Das wird durch das Protokoll einer Be- sprechung vom 18. Januar 1941 bestätigt. Die Quintessenz dieser Beratung zwi- schen Ambros, Mach, Santo, Eisfeld von den IG-Farben mit zwei anderen Indu- striellen war:
1. Juden und Polen werden ausgewie- sen; In unmittelbarer Nähe wird für die Juden und Polen ein KZ errichtet; Jeder Deutsche, der in dieses Ge- biet kommt, ist ein Kolonialist. Dokument Nr.1)
a =
(8.
vertrieben
der Umgebung mußten geräumt werden. (s. Dokument Nr. 4)
Das Buna-Werk bei Auschwitz sollte nicht nur von KZ-Sklaven betrieben, sondern auch von ihnen aufgebaut wer- den. Der Oberbauleiter der IG-Farben, Max Faust, nahm die Erschließungs- arbeiten mit zunächst 700 Häftlingen und zur Zwangsarbeit gepreßten Polen vor.
1.G. Farben fordert, Himmler befiehlt, Eichmann schickt...
{ Rudolf Höß, der ehemalige KZ-Kom- mandant von Auschwitz, schilderte spä- ter im polnischen Gefängnis die Zeit des Aufbaus des IG-Farben-Werkes Ausch- witz mit folgenden Worten:
„Nun stellt es sich heraus, daß zwar die Rüstungsindustrie einen noch un- geheueren ungedeckten Bedarf an Ar- beitskräften hat, daß man aber mit dem Aufbau der Unterbringungsmög- lichkeit nicht vorwärtskommt ı:;: Himmler tobt, setzt Untersuchungs- kommissionen mit besonderen Voll- machten zur Entdeckung der Schuldi- gen ein. In Auschwitz ist alles mit Häftlingen vollgepfropft, die auf den Abtransport in die Rüstungslager warten. Neue Transporte von Eich- mann sind im Anrollen, Auschwitz weiter verstopfend.“
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(„Kommandant in Auschwitz“, Auto- biographische Aufzeichnungen von Rudolf Höß, eingeleitet und kom- mentiert von Martin Broszat, Stutt- gart 1958, S. 170/71.) Das KZ, in fieberhafter Eile errichtet, war damals ohne gesicherte Trinkwas- serversorgung. Die Baracken waren vollgepfropft, Seuchen grassierten— und trotzdem: „Himmler treibt weiter. Seine Ver- sprechen quälen ihn. In Auschwitz gehen Tausende von Arbeitsfähigen zugrunde, ehe sie je einen Arbeitsplatz in der Rüstung gesehen haben. In den behelfsmäßig errichteten Arbeitslagern werden die Häftlinge zu Wracks, ehe sie etwas ‚Siegentscheidendes‘ geleistet haben.“ (ebenda, S. 171)


