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... wir haben es getan : Selbstporträts in Tagebüchern und Briefen 1939 - 1945 / Hermann Langbein
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Frank erinnert sich nicht mehr, was er in Polen alles angeord- net und verkündet hat. Oder will er es nur vergessen machen? Das wäre ein untaugliches Beginnen, denn sein Tagebuch eine kleine Bibliothek von 38 Bänden erzählt mit pedantischer Ge- nauigkeit von jedem Schritt und jedem Wort. Alfred Rosenberg, der Minister für die besetzten Ostgebiete, der die Verschickung aller Juden Zentraleuropas nach dem Osten angeregt hat, will nicht geahnt haben, was in den Vernichtungslagern vor sich ge- gangen ist?. Der SS-General Oswald Pohl, der als führender Ver- antwortlicher in der zentralen Verwaltung aller Konzentrations- lager deren Kommandanten befohlen hatte, den Arbeitseinsatz der Häftlingeim wahrsten Sinn des Wortes erschöpfend zu ge- stalten, schrieb im Nürnberger Gefängnis, er hätte nie jemanden aufgefordert oder ermuntert, andere totzuschlagen, und er sei Un- menschlichkeiten entgegengetreten, wenn er von solchen Kennt- nis erhalten hätte!®.

Oft leugnen Verbrecher, um ihrer Strafe zu entgehen. In den eben erwähnten Fällen entsteht aber der Eindruck, daß es sich um etwas anderes handelt: Es fehlt das Schuldbewußtsein: bei den Großen wie bei den Kleinen.

Die Familie Mennecke sah sich nicht veranlaßt, das dicke Paket jener Briefe, die von der Tätigkeit des Doktors in den Konzentra- tionslagern berichten, zu vernichten. Bräutigam, Landau und Kremer bewahrten ihre Tagebücher auf, in denen sie ihre Hand- lungen kaum beschönigt eingetragen haben. Ja, Kremer freute sich sogar, als er erfuhr, daß die Behörden, die ihn zu richten hatten, in den Besitz seines Tagebuches gekommen waren; er hoffte, daß ihn diese Aufzeichnungen von jedem Verdacht reinwaschen wür- den. Offensichtlich schien ihm seine, durch eine wissenschaftliche Publikation gehemmte Karriere Beweis genug dafür zu sein, daß er ein Opfer des Nationalsozialismus und kein Mittäter gewesen sei. Schrieb er nicht damals, daß das Dantesche Inferno im Ver- gleich zu Auschwitz fast wie eine Komödie wirke?

Der Spruch der Richter, das Urteil der Geschichte muß anders lauten. Hitler, Goebbels und Frank haben uns das Geständnis ihrer Schuld ebenso in die Hand gelegt, wie Mennecke, der stolz vorgerechnet hat, in welcher Rekordzeit erPortionen von Ju- den und Ariern erledigt hat; wie Jacob, der sich brüstete, wie er unter den Juden aufgeräumt hat, wie Landau, der ohne alle Um- schweife erzählt hat, er habe einmal 20 Judenumlegen lassen; wie Kremer, der keinen Hehl daraus gemacht hat, woher er das lebendfrische Material für seine geplanten Forschungsarbeiten ge- nommen hat.

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