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... wir haben es getan : Selbstporträts in Tagebüchern und Briefen 1939 - 1945 / Hermann Langbein
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Medizinalrat Felix Kersten, gerichtet und trägt das Datum vom 21. März 1945. In Voraussicht des Kriegs- endes hat Himmler schon Monate vorher die Vernich- tungsmaschinerie anhalten und die Gaskammern spren- gen lassen. Dann schreibt er:

Der Reichsführer-SS(1) Berlin SW 11, den 21. März 1945 Prinz-Albrecht-Straße 8 Feld-Kommandostelle Lieber Herr Kersten!

Nehmen Sie bitte mit diesen Zeilen zunächst einmal meinen Dank für Ihren Besuch entgegen. Ich habe mich diesmal wie immer gefreut, wenn Sie kamen und mir in alter Freundschaft Ihre große ärztliche Kunst zur Verfügung stellten.

In den langen Jahren unserer Bekanntschaft haben wir uns ja über viele Probleme unterhalten und Ihre Einstellung war immer die eines Arztes, der fernab aller Politik das Beste für den einzelnen Menschen und für die Menschheit insgesamt will.

Es wird Sie interessieren, daß ich im Laufe des letzten Vierteljahres einen Gedanken, über den wir einmal sprachen, zur Verwirklichung gebracht habe. Es wurden nämlich in zwei Zügen rund 2.700 jüdische Männer, Frauen und Kinder in die Schweiz verbracht. Es ist dies praktisch die Fortsetzung des Weges gewesen, den meine Mitarbeiter und ich lange Jahre hindurch konsequent verfolgten, bis der Krieg und die mit ihm einsetzende Unvernunft in der Welt seine Durch- führung unmöglich machten. Sie wissen ja, daß ich in den Jahren 1936, 37, 38, 39 und 40 zusammen mit jüdischen amerikanischen Ver- einigungen eine Auswandererorganisation ins Leben gerufen habe, die sehr segensreich gewirkt hat. Die Fahrt der beiden Züge in die Schweiz ist die trotz aller Schwierigkeiten bewußt vorgenommene Wiederaufnahme dieses segensreichen Verfahrens.

Von einem Gefangenenlager Bergen-Belsen kam in letzter Zeit das Gerücht, es wäre eine Typhusepedemie größeren Ausmaßes ausge- brochen. Ich habe den Hygieniker der SS, Prof. Dr. Mrugowski, mit seinem Stab sofort dorthin geschickt. Es handelte sich um in Lagern mit Menschen aus dem Osten leider sehr oft vorkommende Fleck- typhusfälle, die aber mit modernen und besten medizinischen Maß- nahmen als beherrscht anzusehen sind.

Ich habe die Überzeugung, daß unter Ausschaltung von Demagogie und Äußerlichkeiten über alle Gegensätze hinweg und ungeachtet blutigster Wunden auf allen Seiten Weisheit und Logik ebenso sehr zur Herrschaft kommen müssen wie gleichzeitig damit das mensch- liche Herz und das Wollen zum Helfen.

Es ist selbstverständlich, daß ich so, wie ich es in den ganzen vergan- genen Jahren in guten und schlechten Zeiten getan habe, Wünsche, die Sie mir auf der menschlichen Ebene übermitteln lassen oder mit- teilen, gerne prüfen und wo es nur einigermaßen geht, großzügig ent- scheiden werde.

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