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... wir haben es getan : Selbstporträts in Tagebüchern und Briefen 1939 - 1945 / Hermann Langbein
Entstehung
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und wollen sich der weiteren Verantwortung dadurch entziehen, daß sie mich einfach abschieben, um dann später sich rein zu waschen und zu sagen, ich habe es ja selbst gewollt. Nein— ich werde mir die Sache wohl überlegen— und denke gar nicht daran, mich als ältesten Parteigenossen der Münsterschen Dozentenschaft kaltstellen zu lassen, Durch ihr Verhalten mir gegenüber beweisen diese maßgebenden Per- sönlichkeiten ja eindeutig, daß bei ihnen auch die immer wieder im Munde geführten Parteiverdienste gar nichts gelten. Wie mir schließ- lich Herr Gülker weiter mitteilte, habe er sich auch bei der Gestapo erkundigt und erfahren, daß dort gegen meine Persönlichkeit gar nichts Abträgliches bekannt sei. Es scheint sich also wieder um ein von Mevius ausgehendes allgemeines Intrigenspiel zu handeln.

24. Mai 1943:

Heute 11 Uhr im Gauhaus Besprechung mit Dr. Grässner nicht, wie ich angenommen hatte, über den Driburger Fall, sondern um mich in den Gaupropagandaapparat(Bevölkerungspolitik, Rassenhygiene) als Redner einzuspannen. Er schlug mir vor, zunächst noch einen Kurs in Berlin-Babelsberg über diese grundlegenden Fragen mitzunehmen, ein Gedanke, den ich selbstredend— schon um mich mal wieder in Berlin nach gewissen Käfern umzusehen— mit Freuden aufgriff. Vielleicht war dies nur einer der vielen Gründe, mich auf alle mög- liche Art wissenschaftlich kalt zu stellen; denn man schaut nicht hinter die Kulissen der mir persönlich alles Übel wollenden Universitätsbüt- tel, denen ich immer und ewig wegen meiner Arbeiten und wegen meines frühesten Eintritts in die Partei ein Dorn im Auge bleibe. Also abwarten!

Sonst liest man in all diesen Monaten nur von Be- langlosigkeiten, von Ausflügen, von Gesprächen mit Verwandten, von einer Beförderung zum SS-Ober- sturmführer mit Wirkung vom 30. Januar 1943, und immer wieder vom Essen.

Harte Worte findet Kremer, als die Luftangriffe der Alliierten Münster schwer treffen und immer hef- tiger werden.

26. August 1943:

Alles nimmt in stiller Erbitterung und fast in Verzweiflung die schweren Bombenangriffe der Angloamerikaner auf die deutschen Städte wahr und wartet und wartet auf Vergeltung. Jeder weiß, daß etwas geschehen muß; denn so kann es nicht weiter gehen. Wer die Werke der Kultur angreift, der führt Krieg gegen die gesamte zivili- sierte Menschheit und nicht gegen uns allein. Heute kam der Block- leiter von der Partei und erkundigte sich bei den Parteigenossen, wer im Besitze einer Pistole sei. Der Grund hierfür war nicht zu ermitteln.

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