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Braunbuch : Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik ; Staat, Wirtschaft, Armee, Verwaltung, Justiz, Wissenschaft / Herausgeber: Nationalrat der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland
Entstehung
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gabe würden zweckmäßigerweise von Anfang an zuverlässige Persönlichkeiten deutscher Konzerne eingeschaltet werden, da nur mit Hilfe ihrer Erfahrungen von Beginn an eine erfolgreiche Arbeit geleistet werden könne.(IMT, Bd. XXVIL, Dok. 1317- PS, S. 170 ff)

Der IG-Farben-Konzern schuf Anfang 1935 eine eigene IG-,Vermittlungs- stelle W(Wehrmacht), die mit demWehrwirtschaftstab beim OKW die wirtschaftlichen Kriegsvorbereitungen und Mobilisierungspläne zu organisie- ren hatte. Allen IG-Direktoren wurde schon 1935 von derVermittlungs- stelle W mitgeteilt, daß diese Instanz folgende Aufgaben habe:

...die zentrale Bearbeitung der Mobilmachungspläne, die Fragen der Um- stellung der Produktion und der Verlegung der Produktion, die Sicherstellung von Rohstoffen, die Fragen der Lagerhaltung, Transportfragen, Sicherstellung bzw. Verschiebung von Arbeitskräften.(Betriebsarchiv des EKB, Dok. vom 28. August 1935)

Bereits am 23. Oktober 1935 informierte die IGVermittlungsstelle W die Konzernleitung über den Wehrwirtschaftsmechanismus und dessen Arbeits- weise im Kriegsfalle.

Die Rüstungsindustriellen bestimmten maßgeblich die Ziele des hitler- faschistischen Raub- und Vernichtungskrieges. Noch ehe z.B. Hitler-Deutsch- land mit der französischen Vichy-Regierung den für Frankreich schmachvollen Waffenstillstandsvertrag von Compiegne schloß, hatte die IG-Farben begonnen, Pläne für die Einverleibung der chemischen Industrie des ganzen europäischen Kontinents auszuarbeiten. Am 21. Juni 1940 lud von Schnitzler, der Vorsitzende des Kaufmännischen Ausschusses, einen auserwählten Kreis zu einer Tagung nach Frankfurt/Main ein. Und noch bevor die faschistische Kriegsmaschine ganz Europa okkupiert hatte, wurde hier über dieim künftigen Friedens- vertrag zu verankernde Ordnung der gesamten europäischen Belange auf dem Chemie-Sektor beraten und über die chemischen Industrien der mit Hitler- Deutschland im Kriege befindlichen, aber auch der neutralen und verbündeten Länder entschieden.

Auch für den Überfall auf Großbritannien lieferte IG-Farben dem Faschismus die entsprechenden Kriegsziele. Bereits bei der Ausarbeitung derOperation Seelöwe legte man fest, welche Industriebetriebe Englands von den IG-Farben nach Abschluß der militärischen Operationen okkupiert werden sollten.

Von Schnitzler sah sich am 8. August 1945 zu dem Eingeständnis gezwungen:

Durch diese Handlungsweise übernahm die IG eine große Verantwortung und stellte eine wesentliche und auf dem chemischen Gebiet entscheidende Hille für Hitlers Außenpolitik, die zum Krieg und zu Deutschlands Ruin führte. So muß ich den Schluß ziehen, daß die IG weithin für Hitlers Politik verantwort- lich ist.(NG, IG-Farben-Prozeß, Dok. NI 5196)

Die Forderung der IG-Farben war eindeutig: Europäischer Großraum unter