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Braunbuch : Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik ; Staat, Wirtschaft, Armee, Verwaltung, Justiz, Wissenschaft / Herausgeber: Nationalrat der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland
Entstehung
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Das Ergebnis der Übereinkunft mit Hitler: Die Kohlesyndikate führten 5 Pfennig vom Verkaufserlös jeder Tonne Kohle an die Nazi-Partei ab. Durch diese Zahlungen erhielt die Hitler-Partei schon vor 1933 jährlich 6 150 000 Reichsmark allein vom Kohlesyndikat!

Das starke Interesse, das die Konzernherren an der Errichtung der faschisti- schen Diktatur hatten, wurde auch bei der Zusammenkunft Hitlers mit den Rhein- und Ruhrindustriellen im Industrieklub Düsseldorf am 27. Januar 1932 deutlich. Über diese Zusammenkunft schrieb Fritz Thyssen in seinem 1941 er- schienenen BuchIch bezahlte Hitler:

... praktisch führte ich die Verbindung zwischen Hitler und den maßgeb- lichen rheinisch-westfälischen Industriellen herbei. Es ist allgemein bekannt, daß am 27. Januar 1932 ein Jahr, bevor er die Macht ergriff- Adolf Hitler eine zweieinhalbstündige Rede vor dem Industrieklub Düsseldorf hielt. Diese Rede machte einen tiefen Eindruck auf die versammelten Industriellen, und als Ergebnis floß eine Zahl von bedeutenden Zuwendungen aus den Quellen der Schwerindustrie in die Kassen der NSDAP... In den letzten Jahren vor der Machtergreifung leisteten die großen industriellen Verbände laufend Kontri- butionen.

Als die KPD bei den Reichstagswahlen am 6.November 1932 einen Sieg errang(rund sechs Millionen Stimmen), die NSDAP jedoch 2 Millionen Wähler verlor, schrieb Schacht am 12. November 1932 an Hitler:

Es unterliegt für mich gar keinem Zweitel, daß die gegenwärtige Entwick- lung der Dinge nur das eine Ende haben kann, und das ist Ihre Kanzlerschatt. Es scheint, als ob unser Versuch, eine Reihe von Unterschriften aus der Wirt- schaft dafür zu bekommen, doch nicht ganz umsonst ist...(Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Nürnberg, 42 Bände, Nürnberg 1947-1949, Bd. 1, S. 196, im folgenden: IMT)

In gleichlautenden Schreiben forderten mehrere Großindustrielle und Bank- herren noch im gleichen Monat vom damaligen Reichspräsidenten Hindenburg, Hitler zum Kanzler zu ernennen.(Siehe Tafel 1, Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Büro des Reichspräsidenten, Akte Nr. 47)

Nachdem die großen Monopole Hitler an die Macht gebracht hatten, flossen noch größere Beträge in die Kassen der Nazi-Partei und ihrer Gliederungen. Unter dem NamenAdolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft(Siehe Tafel 2, Betriebsarchiv des VEB Filmfabrik Wolfen) stellten die kapitalisti- schen Unternehmer auf Initiative der großen Konzerne insbesondere von Krupp, IG-Farben, Flick, Thyssen u. a. der Nazi-Partei von 1933 bis 1945 jähr- lich über 60 Millionen Reichsmark zur Verfügung. Allein die Dresdener Bank zahlte im Jahre 1934 über 120 000 Reichsmark für die Nazi-Partei. (Siehe Tafel 2, Archiv der Deutschen Notenbank Dresden, Bestand: Dresdner Bank)