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Faschismus - Getto - Massenmord : Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des Zweiten Weltkrieges / herausgegeben vom Jüdischen Historischen Institut Warschau. Ausgewählt, bearbeitet und eingeleitet von Tatiana Berenstein, Artur Eisenbach, Bernard Mark und Adam Rutkowski
Entstehung
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Hechaluz) angehörten. Im Oktober wird diese antifas« histische Front, deren Ziel der Kampf gegen den Okkupanten ist, erweitert; eine jüdische Kampf- organisation(Zydowska Organizacja Bojowa, ZOB) wird geschaffen, der die erwähnten Organisationen des Antifaschistischen Blocks, die sozialistische Partei Bund und einige kleinere Jugendgruppen angehören. Die Haupt- aufgabe der Jüdischen Kampforganisation ist der bewaffnete Kampf gegen den Okkupanten, die Verteidigung der jüdischen Bevölkerung, der Schutz deı Juden vor den Deportationen, die Beseitigung von Verrätern und Helfers- helfern des Feindes sowie gemeinsamer Kampf mit der polnischen Wider- standsbewesune um die Befreiung Polens unter der Losung:‚Für unsere und eure Freiheit.

Unter der Leitung der Jüdischen Kampforganisation bereitet sich der Rest der Gettobevölkerung zum aktiven Widerstand vor; die Jüdische Kampi- oreanisation sammelt Waffen und verbirgt sie und organisiert eine mili- tärische Ausbildung; die Bevölkerung baut unterirdische Bunker, um sich vor den Razzien zu verstecken, mit denen die Nazis die Juden zur Deportation zusammentreiben. Die Jüdische Kampforganisation organısıert und leitet den ersten bewaffneten Widerstand im Getto(Januar 1943), der die 55 zum Einstellen der begonnenen Aussiedlung zwang.

Unter dem Einfluß dieser bewaffneten Aktion beginnen Juden in verschiedenen Orten Polens, sich mit Waffen zu verteidigen(z. B. Bialystok im Februar 1943

Die bedeutendste Widerstandsaktion der polnischen Juden war der Aufstand im Warschauer Getto, welcher am 19. April 1943 ausbrach und unter ver- schiedenen Formen bis Anfang Juli desselben Jahres dauerte.! Der zweite bewaffnete Massenwiderstand der Juden fand im August 1943 im Getto von Bialystok statt und wurde vom dortigen Vereinigten Antifaschistischen Block geleitet. Andere bewaffnete Widerstandsaktionen fanden in den Gettos von Lemberg(Juni 1943), Tschenstochau(Juni 1943), Bedzin(3. August 1943 und einigen anderen sowie in den Vernichtungslagern Treblinka(August 1943 und Sobibor(Oktober 1943) statt.

Außer in den Gettos und in den Lagern gab es auch eine jüdische Wider- standsbewegung in den Wäldern. Dort befanden sich nämlich polnische Partisanentrupps. Vorn Zeitpunkt an, da sich in den Gettos ein illegaleı Widerstand entwickelte, zogen die jüdischen Kämpfer die Möslichkeit von zwei Kampffronten in Erwägung: in den Gettos selbst und in den Reihen deı Partisanen. Gleichzeitig mit.der Organisierung des Kampfes in den Gettos wurden auch Juden für die Partisanenbewegung in den Wäldern gewonnen. Schon im Juli 1942 schloß sich die erste Gruppe aus dem Warschauer Getto der Partisanenbewegung an. Vom Herbst 1942 an beginnen die Juden aus den Gettos in den Distrikten Lublin, Radom, Bialystok und aus dem östlichen

Teil des Distrikts Warschau massenweise in die Wälder zu flüchten, wo sie

1 SieheB. Mark, Der Aufstand im Warschauer Getto,3. bearb. u. erw. Aufl., Berlin 1959.

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