Welt ist. Aber ein anderes Denkmal ıst mehr vonnöten, ein Denkmal im Horaz’schen Sinne, das nicht an Zeit und Raum gebunden ist, Denn schließlich ist Auschwitz nur ein Ausschnitt und ein Symbol. Es gab noch andere grausige Plätze, Maidannek und Lublin in Polen, und viele schlimme Konzentrationslager in Deutsch- land. Und wenn auch die Zahl der Juden pro- zentual überragt, so sind der anderen Opfer noch übergenug. Auch die“politischen” Deut- schen, die in Massen zum Tode verurteilt wor- den sind, gehören mit auf die Rechnung. Alle diese Toten schreien nach Vergeltung, aber nicht mit dem brennenden Holzscheit und nicht mit dem Marterpfahl in der Hand. Das hieße,sa- distische Methoden, die wir aufs tiefste verab- scheut haben, nachzuahmen oder zu modifizie- ren. Diese Toten fordern eine andere Rache: Die Wahrheit über Auschwitz. Die Welt muß wissen, daß ein kleiner Funke des Hasses ei- nen übermächtigen Brand entfachen kann, den keiner mehr einzudämmen vermag. Es gibt Men- schen, die den Standpunkt vertreten, daß diese Dinge überall in der Welt hätten passieren kön- nen, etwas, was ich persönlich nicht glaube, Aber ich erinnere mich sehr wohl des Gefühles, mit dem ich im“Ulenspiegel” gelesen habe, wie ein Mensch als Glockenschwengel zu Tode gestoßen wurde und, in einem Abessinienbuch,
172


