die Farben u:. Nachtwache von Kunbrandt flu- ten, oder wenn die Vögel zwitschern und die Sonnenstrahlen im Herbstlaub tanzen.
Noch sind diese Augenblicke selten. Und doch bejahen wir unser Leben. Es ist ein Wunder und eine Gnade Gottes, daß wir Auschwitz überlebt haben; und es ist eine Verpflichtung. Wir halten das Vermächtnis der Toten in Händen. Uns ob- liegt es, von ihnen zu sprechen. Das Reden von ihnen ist grausig. Die Berichte aus der Hölle sind keine anmutenden Ammenmärchen; sie sind infernalisch und zerschneiden das Herz. Es wäre bequemer zu retuschieren oder ganz zu schweigen und zu vergessen(auch für uns). Doch gerade das dürfte nicht im Sinne der To- ten sein. Die Welt muß von dem erlittenen Leid erfahren, nicht damit die Lebenden sich quälen oder ihr Dasein vergällen und erst recht nicht aus Sensation, sondern als eine Lehre und eine Aufgabe für kommende Geschlechter.
Das war Auschwitz.(Ich habe mich bemüht, die Tatsache wahrheitsgetreu wiederzugeben.)
Nicht-jüdische Polen haben die Frage aufge- worfen, ob in Auschwitz dereinst ein Ehrenmal für die gefallenen Juden stehen sollte. Es wäre angebracht an einer Stätte, die mit drei Millio- nen Märtyrern vielleicht der größte Friedhof der
171


