wie ein Gegenhäuptling, mit Paraffinbinden um- wickelt, auf den brennenden Holzstoß geführt wurde— jenes Gefühles voll Hochmut gegen- über mittelalterlichen Gebräuchen und men- schenfresserischen Sitten. Und doch sind eben- so schlimme Dinge im Herzen Europas im 20. Jahrhundert geschehen.
Durch einen irregeleiteten Fanatismus sind aus zivilisierten Menschen Bestien geworden, die nicht nur getötet, sondern mit Lust und Freude gequält und gemordet haben. Ein bis- chen Salonantisemitismus,etwas politische und religiöse Gegnerschaft, Ablehnung des poli- tisch Andersdenkenden, an sich ein harmloses Gemengsel, bis ein Wahnsinniger kommt und daraus Dynamit fabriziert. Man muß diese Syn- these begreifen, wenn Dinge, wie sie in Ausch- witz geschehen sind, in Zukunft verhütet wer- den sollen. Wenn Haß und Verleumdung leise keimen, dann, schon dann heißt es wach und bereit zu sein. Das ist das Vermächtnis derer von Auschwitz.
Die Toten waren stark und sind im Untergange über sich hinausgewachsen mit Kräften, die ins Riesengroße zielten.
Dürfen die Lebenden schwächer sein?
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