mit unermesslichem Jubel begrüßt, unter stürmi- schen Umarmungen fast erdrückt und von begei- sterten Mädels auf den Schultern getragen. Das Auto war im Nu über und über mit grünen Zwei- gen geschmückt. Nach einer halben Stunde fuhr er ab und bald hinterher erschienen die befrei- enden Russen.
Und sonst? Rauferei um die angefahrenen Pa- kete, wüstes Organisieren in den SS— Magazi- nen und bei den Hinterlassenschaften der Auf- seherinnen, wildes Getümmel, Schreien, Weinen, Lachen, ein gegenseitiges Händeschütteln und sich um den Hals fallen und, bei allem Über- schwang— Leere.
Die Sehnsucht unserer Jahre, eine kaum im Traum gewiegte Hoffnung hatte sich erfüllt, etwas, was wir mit all unserer Phantasie uns nie hatten ausmalen können. In‘der Stunde, da dieses unbegreifliche, unfaßbare Glück über uns hereinbrach, konnten wir es kaum begrei- fen. Es war übermächtig und zerschmetterte uns. Ebensowenig wie unser ausgehungerter Körper das Essen sofort verdauen wollte, vermochten wir die Freiheit im ersten Moment voll in uns aufzunehmen. Wir mußten uns erst gewöhnen und tapsten mit ungeschickten, zaghaften Schritten in das neugewonnene Leben hinein. Dann freilich begriffen wir es. Wenn ich davon reden wollte, wie wir in diesen Maientagen
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