Druckschrift 
Auschwitz : ein Tatsachenbericht ; das Vermächtnis der Opfer für uns Juden und für alle Menschen / Lucie Adelsberger
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen

Gegen Abend waren wir losgefahren und schon eine Nacht und einen Tag unterwegs. Wohin, wußten wir nicht, nur nach unserer eigenen Orientierung, daß es gen Osten ging. Wenn wir uns hochreckten oder auf das Gepäck kletter- ten, konnten wir durch die Luken gucken und die Gegend genau verfolgen. Wir hatten den Spreewald passiert, die Lausitz, Reichenbach und alle Stationen, an denen vorbei wir frü- her vergnügt ins Riesengebirge zum Winter- sport gedampft waren, und mittags Breslau in weitem Bogen umkreist,

Der Wagen ist übervoll mit Menschen, wenn- gleich nicht so vollgestopft wie die anderen, denn es ist ein Arztwagen, Die Luft in dem festverschlossenen Kasten, der seit der Ab- fahrt richt geöffnet wurde, ist stickig und pe- stilenzartig, die Ventilation durch die dürfti- gen Luftlöcherabsolut unzureichend und nicht spürbar. Die Eimer mit den Fäkalien sind am Überlaufen und rinnen an den Seiten, und bei jedemRuck des Zuges schwappen sie über und bespritzen die Umsitzenden, die in der Enge nicht wegrutschen können, Ringsherum ist al- les mit Kinderwagen verbarrikadiert, denn es sind eine ganze Menge Säuglinge dabei. Sie bläken in den schmutzigen Windeln und las- sen sich nicht beruhigen, denn es ist nichts zum Reinigen da und nichts, was man ihnen

32

==

oo ee mn a DD 3 u.