Der grelle Pfiff
Wir sitzen im Güterwagen. Am 17. Mai 1943 mittags,an einem Montag, waren wir auf Last- autos, wieder unter starker SS- Bewachung, vom Sammellager zum Bahnhof expediert wor- den. Nicht nach einem der Hauptbahnhöfe, sondern nach dem Bahnhof Putlitzstraße, hoch oben im Norden von Berlin in der Nähe des Virchow Krankenhauses, wo geräumige La- gerschuppen den Kanal weitläufig umsäumten und verödete Fabriken das Terrain großzügig beanspruchten, wo nur wenige Menschen wohn- ten und die Zufahrtsstraße kaum bevölkert war, denn die Gestapo blieb, wie bekannt, mit ihrer Arbeit gern im Hintergrund. Dort waren wir, wohl an die tausend Menschen, in Güter- wagen verfrachtet worden, genauso wie die “jüdische Greuelpropaganda” verbreitet hatte. (Kurz vorher wurde zum einzigen Mal ein jü- discher Transport nach Theresienstadt in bel- gischen Il. Klassewagen weggeschickt. Die Wagen wurden offiziell fotografiert und die Aufnahme wurde in der Filmwochenschau der UFA vorgeführt mit dem Titel:“So fahren die Juden”. Dann folgte ein zweites Bild, der wohlbekannte, überfüllte Güterwagen mit der Beschriftung:“Und so behaupten sie zu fah- ren”.)
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