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Auschwitz : ein Tatsachenbericht ; das Vermächtnis der Opfer für uns Juden und für alle Menschen / Lucie Adelsberger
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II«

einzelne Blütenkelch neigte sich freunalich und präsentierte einen gelben Fleck am Grun- de und streckte die Staubfäden, die vorwitzig herausdrangen, fröhlich den Menschen entge- gen. Ein dichter grüner Blätterwald, in dem die Kerzen leuchtend flammten, und ein tief- blauer Maihimmel, auch das gehörte zu unserem Gefängnis. Nichts davon erinnerte an Berlin, an die lebendurchpulste Stadt.

Und doch sollte ich sie noch einmal sehen und mitten durch die Stadt kommen. Eines Nachts wurde ich von irrsinnigen Zahnschmer- zen gepeinigt, und am Morgen schickte man mich zur zahnärztlichen Behandlung ins Kran- kenhaus, nicht mich allein, sondern einen gan- zen Schub von Menschen mit Schmerzen und Gebrechen aller Art. Die einen mußten zum Verbinden, die anderen sollten dem Augenarzt oder dem Ohrenarzt vorgeführt werden, manche zur Röntgenuntersuchung der Lungen und zur Tuberkulosekontrolle; wer ein Wehwehchen hatte, wurde noch einmal überholt und schnell- stens restauriert, um heil am Endziel anzu- kommen. Wir fuhren eingeschlossen, auf einem Lastauto durch die Stadt, vorne am Wagen SS und hinten SS Bewachung. Der offene Gefan- genenwagen nahm,ich weiß nicht warum, nicht den direkten Weg zum Krankenhaus, sondern fuhr auf einem weiten Umweg durch die Lin-

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