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Auschwitz : ein Tatsachenbericht ; das Vermächtnis der Opfer für uns Juden und für alle Menschen / Lucie Adelsberger
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den, vorbei am Brandenburger Tor, durch den Tiergarten und durch Moabit mitten durch die Stadt, in der ich zwei Jahrzehnte gelebt und von der ich mich bei jedem Weggang mit Ab- schiedsweh losgerissen hatte. Es war das gleiche Städtebild, noch standen die Kunst- werke, die Siegessäule, und noch dehnten sich die Rasenflächen des Tiergartens und die Häuser reihten sich noch unzerbombt.Und den- noch war es eine andere Stadt. Ich kannte Enttäuschungen von Stätten,an denen ich hing und die ihr altvertrautes Antlitz gewandelt hatten und nur noch traumhafte Erinnerung waren und nie mehr Wirklichkeit wurden. Aber dies war etwas anderes, viel Ärgeres. Die Stadt war die gleiche, aber sie gehörte uns nicht mehr. VomWagen gab es kein Entrinnen, kein Aussteigen. Die Straßen existierten nicht mehr für die Gefangenen der SS. Der Park, in dem man ehemals spazieren gegangen war, war nur noch Kulisse, die sich schnell ver- schob. Das Haus, darin man einst gewohnt hatte, stand feindselig da und ließ einen un- gerührt passieren. Und die Menschen waren andere, nicht mehr Freunde, sondern Feinde. Gehässig starrten sie auf den Wagen mit den Gefangenen. Die Stadt, die ich einst geliebt hatte, war nicht mehr da. Es war eine fremde Stadt, schon vor Auschwitz.

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