zwanzigJahrein Berlin gelebt und von der gro- ßen Hamburger Straße, zwischen Rosenthaler- und Alexanderplatz, nichts gewußt, geschwei- ge von dem Haus, in dem wir kaserniert waren. Aber das war meine Schuld, denn es war kein gewöhnliches Haus. Und wenn es in einer an- deren Stadt gewesen wäre, wo man jedem alter- tümlichen Sarkophag, jedem ehrwürdigen Häu- serwrackund dem bunten Glasmosaik eines Kir- chenfensters gleich am ersten Tag nachrennt, wäre es mir nicht entgangen. Es stammte aus dem 18. Jahrhundert und hinter dem Hause war derälteste jüdische Friedhof von Berlin, in dem Moses Mendelssohn begraben liegt, ein kleiner Friedhof mit sehralten abbröckelnden und ganz verfallenen Grabsteinen, wo der Efeu eigenwil- ligvon den Grabstätten herunterkriecht und die ungepflegten Rasenflächen mit ihren dicken Grasbüscheln üppig überrankt. Das Haus sel- ber war ein altmodisches, verwahrlostes Ge- bäude, das ehemals ein Altersheim beherbergt hatte, Dort waren wohl an die 1000 bis 1200 Menschen eingekastelt. Es schien uns sehr voll, mit 25 bis 35 Personen in einem Zimmer von durchschnittlicher Größe. Später habe ich oft mit Sehnsucht an diese Zimmer zurückge- dacht, die richtig ausgebaut waren und Fenster hatten, wo es nicht von oben hereinregnete und das Wasser nicht in großen Pfützen auf dem
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