eine Liste Ihres gesamten Mobiliars und Ihrer »eweglichen Habe der Wohnungsberatungsstel- le einzureichen.” Diese Riesenzahl von Kün- digungen auf einen Schub schien auch die Be- fürchtungen der Frau X zu übertreffen. Sie, der auch ihre Feinde Sauberkeit der Gesinnung und Hilfsbereitschaft zuerkannten, konnte nichts tun, um die tausend Familien mit ihren Ange- hörigen und allen Untermietern umzulogieren, Ungeduldig Drängenden wurde nur bedeutet, daß sie warten müßten. Man munkelte von Zelt- bauten in den Vororten von Berlin, von der Einrichtungeines Ghettos, und die Optimisten, die nie ausgestorben sind, wisperten etwas von einer leeren Drohung, um die Juden einzu- schüchtern. Das einzige, was feststand, war, daß die Wohnungsberatungsstelle untätig blieb und den Empfängern eines solchen Briefes, wenn sie selber ein Domizil ausfindig gemacht hatten, die zum Umzug unerläßliche Genehmi- gung nicht erteilte und sie vertröstete. Wochen vergingen, vollder Unruhe, die ein Mensch hat, der nicht weiß, wo er morgen oder vielleicht schon heute abend sein müdes Haupt betten würde, und mit dem ganzen Nervenkribbeln, das jede Unsicherheit zeitigt. Aber schließlich gewöhnt man sich an alles, und Mitte Oktober flammte ein neues Gerücht auf. Durch Undich- tigkeit an höherer Stelle sei durchgedrungen,
14


