um exponierte Personen ein Mythos spinnt. Weshalb sollte Frau X durch eine Besprechung mit der Gestapo, die mindestens einmal wö- chentlich zu ihren Funktionen gehörte, deran- giertsein— eine Frau mit Schiffstauen an Stel- le von Nerven und durch jahrelanges Training im Polizeidienst geübt, Überraschungseffekte und Sentiments äußerlich unbeeindruckt hinzu- nehmen? Sonst hätte sie ihr Amt als Chef der Jüdischen Wohnungsberatungsstelle nicht mei- stern können in einer Zeit, wo es zum guten Ton gehörte, Juden aus ihren Wohnungen zu werfen um die Häuser judenrein zu machen, und Ersatzwohnungen in sogenannten“ari- schen” Häusern an Juden nicht zugewiesen werden durften, Auf der Straße nächtigen durf- ten sie auch nicht, und so waren die jüdischen Wohnungen mit zahlreichen Familien bis auf die letzte Kammer ausgenutzt. Trotzdem soll Frau X, wie auch noch verlautete, in jener Ge- heimsitzung auf die Frage der Gestapo, ob sie noch mehr Wohnungen judenfrei machen und zur Verfügungstellen und die Bewohner anders- wo unterbringen könne, ja gesagt haben— was ihr von einigen verübelt wurde.
Etwa zwei Wochen später erhielten 1000 bis 1200 Familien einen Brief folgenden Inhalts: “Ihre Wohnung ist zur Räumung bestimmt. Sie werden aufgefordert(oder hieß es‘gebeten’?),
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