Visum erkaufen könnte. Und endlich waren Paß und Vorvisum in meinen Händen. Mit ge- schwellter Brust und dem Vollgefühl dessen, der es geschafft hat, eilte ich zu dem Konsul und raste die Treppe hinauf. Nach einer halben Stunde, wieder auf der Treppe, begriff ich den Ausdruck, daß einem die Knie zittern und die Beine versagen. Es hatte nicht geklappt; der Konsul hatte das Visum verweigert, Eine Klei- nigkeit, eine nebensächliche Klausel, die den Vorschriften nicht genügte, war die Ursache. Als Einzelfall wäre es ganz uninteressant und nur für uns von Bedeutung gewesen. Aber es istein Beispiel, eines von den vielen, Tausen- de haben gehofft, gezittert, gebebt, gewartet, sich auf den Kopf gestellt und um alle Kreise gedreht und blieben mit leeren Händen, weil— auch das mußte man zulernen— die Welt drau- ßen nicht helfen wollte.
Wohnungsnot
Frau X, Leiterin der Jüdischen Wohnungsbera- tungsstelle in Berlin, war im August 1941 zur Gestapo beordert worden. Die Fama sagt, daß sie sehr bleich und mitgenommen zurückgekehrt sei. Skeptiker lächelten darüber: Wieder einmal ein Gerücht und ein Beweis, wie schnell sich
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