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Auschwitz : ein Tatsachenbericht ; das Vermächtnis der Opfer für uns Juden und für alle Menschen / Lucie Adelsberger
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postiert, ihre gewichtige:ı Funktionen erledig- ten und automatisch und zugleich autorativ ihre Unterschriften unter die Ausweispapiere setzten. Wie wir so in der Menschenmenge eingekeilt von einem Tisch zum anderen weitergeschoben wurden und die meisten miß- mutig dreinschauten, lächelte meine Mutter, diese gütige Frau, einem Beamten, der sie ab- fertigte, freundlich zu. Der schaute sie wütend an und brüllte los:Sie wagen noch zu lächeln. Das Lachen wird Ihnen vergehen. Dafür wer- den wir sorgen. Da wußte ich, daß diese Men- schen für Güte und Menschlichkeit unzugäng- lich waren,

Nummer 3 ereignete sich 8 Tage später beim Konsul in Honolulu.(Eigentlich sollte dieser ordentliche Staat nicht zu einer Pseudonymi- sierung mißbraucht werden.) Es ging um das Visum meiner Mutter. Monatelang hatte ich um dieses Visum gekämpft, gebangt, gezittert, da- mit sie aus Deutschland auswandern könne. Ich hatte mir die Finger dafür wundgeschrie- ben. Am Tage war ich von einer Behörde zur anderen gerannt und hatte sie bestürmt, nachts raste ich, weil ich nicht schlafen konnte, durch die Straßen und zählte die Pflasterstei- ne im Mondlicht, bereit, jeden einzelnen mit den bloßen Nägeln auszugraben, bis mir die Finger abfallen würden, wenn ich dafür das

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