te man zurückgelassen, in kleinen Wohnungen, in Pensionen, in Hinterstübchen, mit dem ewi- gen Einerlei derer, die körperlich gehemmt sind und ohne Initiative gelangweilt durch den Tagschlendern, sodaß die Eintönigkeitschwer auf ihnen lastet. Das Stündchen auf der Bank im Park, wo die Kinder spielten, die Vögel sangen und farbige Blumen das Auge labten, war das Ereignis des Tages für diese Men- schen, die nicht mehr die Kraft hatten, eine Stunde durch die Straße zu wandern. Auch die- se Freude war gestrichen, denn man mißgönn- te den Juden die Luft zum Atmen.
Nummer 2 spielte in der Kurfürstenstraße in Berlin fast ein Jahr später im Juni 1939. Dort thronte in einem früheren Logenhaus die Ge- stapo und stellte die Papiere aus, die für Paß und Auswanderung unerläßlich waren. Im gro- ßen und ganzen bot sich das Bild einer stark umlagerten Behörde, wo Haufen von Menschen stundenlang auf ihre Abfertigung warteten, nur daß diese Massen durchsetzt waren mit alten gebrechlichen Leuten und dal nirgends ein Stuhl oder eine Ruhegelegenheit für sie ver- fügbar war. Ich war mit meiner alten Mutter da, die ein Vorvisum für, sagen wir, Honolulu hat- te. Nach vierstündigem Warten gelangten wir in den geräumigen Saal, wo die verschiedenen Ämter der Gestapo, der Reihe nach an Tischen
10


