Wir waren der zweite derartige Transport, der hier eintraf. Wir kamen am Samstag, dem 21. April 1945. Am vorhergehenden Tag, Freitag, war der erste Transport angekommen mit nur vereinzelten Frauen aus Theresienstadt.
Unsere Ankunft ließ die Menschen wieder ein wenig hoffen. daß vielleicht noch weitere kommen und das Furchtbare, was sie gehört, hatten, übertrieben war. Ja, es kamen wohl noch weitere Transporte, aber so wenige, daß dieser Optimismus nur allzu bald verflog.
Wir sahen keine Aufseherinnen, nur unsere Leute. Dies genügte uns, ein Gefühl der Geborgenheit in uns hervorzurufen Man überschüttete uns mit Liebe, jeder brachte was er hatte und wir waren nicht mehr hungrig, aber krank von den vielen Zuckerstückchen, die man uns zu- warf Alle Theresienstädter hatten die Taschen voller Zucker. da man ihnen gesagt hatte, daß dies für uns das Beste und Notwendigste sei.
Wir kamen in Quarantäne, da der Transport, der vor uns angekom- men war, flecktyphusverdächtig war. Mich selbst nahm für die erste Nacht eine gute Bekannte zu sich.
Ich wusch mich mit richtiger Seife, zog ein richtiges Nachthemd an, bekam zu essen an einem gedeckten Tisch, Bestecke lagen darauf Meine Hände zitterten, als ich sie in die Hand nahm, und nun. aß ich. Ich hätte wohl die ganze Nacht durchgegessen ohne aufzuhören, wenn man es mir aus Gesundheitsrücksichten nicht verwehrt hätte. Einige Freunde saßen dabei und sahen mir andächtig zu, trauten sich nicht zu fragen, behan- delten mich wie einen ganz zerbrechlichen Gegenstand.
Eine wohlige Wärme durchströmte mich, hüllte mich ein. so sanft, ‘daß ich zu schweben vermeinte. Ich konnte mir absolut nicht klar wer- den; ob das nun ich bin, die ich jetzt auf einem Sessel vor einem Tisch saß, um mich vertraute Gesichter, und ich wartete jeden Moment dar- auf, daß alles mit einem Schlage wieder verschwinden und ich mich irgendwo in irgendeinem der vielen Viehwagen— in denen ich bereits gesessen— wiederfinden würde.
Da verschwamm auch schon alles vor meinen Blicken, ich taumelte,
fing mich aber wieder aus altgewohnter Disziplin, gab mir einen Ruck und sagte mir„noch nicht, dein Weg ist noch nicht zu Ende“.
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BENENNEN EINER UEREER
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