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Weine nicht, kleine Schwester—
denn auch wir werden leben, nicht so wie heute,
wo der Tag ist ein langer, finsterer Weg.
Hinter uns Gewehre, vor uns Gewehre und an den Seiten elektrischer Draht,
Wir inmitten Kolonnen— auf gebeugten Rücken
weithin sichtbare Kreuze. Gemalte Kreuze— kleine Schwester—
doch unser Kreuzgang, der ist wirklich—
auch Du mußt ihn gehen, kleine Schwester, Du Kind noch— Wir sind Gezeichnete, Namenlose No. 59 780—
aber das tut nichts, kleine Schwester, auch Zahlen sprechen, noch sind sie stumm, gebannt in ein Stückchen Leinwand
auf unserer keuchenden Brust.
Doch einmal, da werden drohend sie wachsen
bis an das Firmament und anklagen mit feurigen Lettern.
Ja, kleine Schwester, kein Trost für Dein Herzchen,
das wie ein Vöglein ängstlich flattert im Käfig der Gegenwart. Du schaust mich an,
Deine Augen fragen, wie die eines stummen kleinen Tieres— Warum—?
Warum so hungern, warum so wünschen am Morgen,
daß der Tag zu Ende sei
und am Abend wieder die Angst vor dem nächsten Tage. Warum— ja, warum— das frag‘ ich mich selbst
und weiß keine Antwort mir.
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