Druckschrift 
Eine Frau erzählt / Grete Salus
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen

achten willen, | war's

schöne

ir alle

= 3 ae ee ES

Duschraum gewiß nicht, dazu laufen zu viele Deutsche

herum, und stellte mich ruhig unter die Dusche.

Nach der Dusche mußten wir naß, wie wir waren, in einen anderen größeren Raum eintreten. Es war empfindlich kalt. Die Türen standen offen. Es herrschte reger Betrieb. Deutsche gingen ein und aus, wie in der Halle eines großen Hotels. Wir nackt, frierend aneinander- gepreßt, ein jämmerlicher Anblick. Als ich mich so umsah griff es mir ans Herz, und ich fühlte ein starkes Gefühl in mir emporwallen.

Eine Masse zerlumpter Weiber

Hinter mir stand ein schwaches Geschöpf sah aus wie ein gefange- nes Mäuschen das sich kaum auf den Füßen hielt; sie wimmerte vor sich hin, sterben sterben. Ich selbst benahm mich lächerlich Ich sagte immerfort, ich darf jetzt keinen Hexenschuß bekommen, hüpfte wie

‚eine Wahnsinnige herum und massierte die bedrohten Körperstellen. |

In der Mitte des Saales stand eine deutsche Aufseherin und verteilte

unterdessen Kleider, Holzpantinen, Strümpfe und Kopftücher So stan- den wir endlos lange, bis die Reihe an eine von uns kam. Sommerkleider

kb eine fantastische Kollektion farbiger Lumpen. Strümpfe keine |bekam das gleiche Paar Einen weißen und einen roten Strumpf und das

B

Schlimmste, auch nur einen einzelnen Strumpf. Ich war unter den

‚Einstrümpfigen. Als Kopftücher gab es Bauchbinden, Kniewärmer und ‚dergleichen.

N

Wir waren eingekleidet, wir schauten uns an stumm sprachlos ‚Jetzt waren wir Masse, zerlumpte Weiber, keine unterschied sich von ‚der anderen. Noch kränkte es uns sehr, daß wir so aussahen, und alle hatten wir denselben Gedanken, gut, daß uns unsere Männer so nicht

sehen.

Unter den Gehilfinnen tauchte ein gut gekleidetes Mälchen auf eine Pragerin bewundernd und wehmütig betrachteten wir ihre langen Haare. Sie tröstete uns, daß wir als guter Transport Ta Material vor Abgang in das Arbeitslager noch einmal besser eingekleidet würden. Wir fragten sie, wie es käme, daß sie so gute Kleider und keine ge- streifte Uniform trage und vor allem noch so lange Haare habe. Sie ‚erzählte uns, daß sie schon in mehreren Konzentrationslagern gewesen,

21