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Wieder einer Haft
Gott macht auch hier im Gefängnis seine Verheißung wahr, die er auf den Sabbattag gelegt hat und kommt mit reichem Segen aus seinem Wort und mit feiertäglichem Frieden in Zelle und Herz und ich glaube auch zu den Kameraden.- Soeben, bald nach dem Mittagessen, haben wir unsern Spa- ziergang gemacht. Da war es mir eine Freude, daß wir alle ın Ordnung hintereinander liefen, Pole, Italiener, Tscheche und Pastor- ich hielt freilich auch ein gemäßigtes Tempo ein. In dieser Woche war das nicht so— das Einhalten einer Ordnung steht nämlich seltsamerweise in unserem Belie- ben- und jeder lief, wie er wollte. Aus bestimmtem Anlaß hatte ich ein ernsteres Wörtchen mit ihnen reden müssen, und darüber war der Tscheche, den es auch besonders anging, schwer eingeschnappt. Das ging bis heute morgen, da kam es wieder in Ordnung, nachdem sie schon Sonntagsbrief und Wochenspruch auf ihrer Stube hatten. Auch von den Blät- tern, die Du mitgebracht, haben sie hoffentlich zu rechtem Sonntagssegen auf ihrer Stube. Der junge Italiener hat we- nigstens drin gelesen, wie ich festgestellt; der ernste Bibel- forscher sprach sich sehr erfreut über die Geyser-Predigt aus, der alte nachdenkliche ältere Pole, der ein liebes, beschei- denes Wesen hat, wird wohl auch etwas davon haben und der Tscheche wird, wenn er seinen Stolz und Trutz über- wunden hat, wohl auch nicht so ungläubig bleiben, wie er bis jetzt getan hat. Wie weit die devote Dankbarkeit des jüngeren Polen ins Herz geht, weiß ich nicht, aber ich traue ibm doch auch Gutes zu. Das sind also nun drei Wochen lang meine Kameraden und Du siehst, ich babe auch hier so etwas wie eine kleine Gemeinde und einen seelsorgerlichen Auftrag. Unsere gute Kochfrau, die im Hause wohnt, ist im Flur gefallen und hat am Unterarm beide Knochen gebro- chen. Ich konnte ihr heute morgen einen Krankengruß schik- ken und auch von Deinen Blättchen dazu legen. Du siehst auch, einen wie schönen Dienst Du mit den Blättchen getan hast. Unserem„Wachtmeister“ will ich heute abend davon
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