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Die SS-Leute haben es anscheinend nicht eilig. Ich fange an, zu glauben, daß das Gerücht von der Ver- nichtung des Lagers falsch war.
Der Sonntag kommt— der erste Sonntag im April. Es ist Mittag. Wir sind zum allgemeinen Appell auf dem Platz angetreten. Heinrich, unser Blockältester, geht aufrecht und mit strengem Gesicht vor der Front auf und ab. Wir warten auf Mayer. Die Blockführer sind schon auf ihren Plätzen. Mir scheint, wir stehen heute länger als gewöhnlich. Heinrich läßt kein Auge vom Mor
„Achtung!“
Die Wache an der Mauer ruft:„Heil Hitler!“ Ich habe aus irgendeinem Grunde das Gefühl, daß ich das alles zum letztenmal erlebe.
Mayer, ein riesiger, gepflegt aussehender Mann, geht, ohne uns eines Blickes zu würdigen, in die Mitte des Platzes. Ihm folgen Offiziere. Einer von ihnen trägt eine schwarze Aktenmappe. Mayer bleibt stehen. „Faremba!“
„Hier“, schallt es dröhnend zurück.
„Komm her!“
Die Reihen weichen ein wenig auseinander. Der Ober- kapo des Kommandos„Steinbruch“ geht mit senergi- schen Schritten auf den Lagerführer zu. Seine Mütze hält er in der Hand. Ich bemerke zum erstenmal, daß er eine sehr niedrige, wie plattgedrückt wirkende Stirn hat. Drei Schritte vor Mayer bleibt Faremba stehen und schlägt die Hacken zusammen. Der Offizier mit der Aktenmappe übergibt ihm ein Papier, der Lagerführer befiehlt:„Lies das laut vor.“
Es herrscht eine solche Stille, daß man eine Stecknadel fallen hören könnte.
„Befehl...“


