wendet on dort
Schurka und ich stehen in der gleichen Reihe. Er arbeitet im Strafkommando- also sind auch wir in dieses Kommando gekommen, obgleich wir uns noch nichts zuschulden kommen ließen.
„Das sind so Sachen“, sagt Schurka nach einem kleinen Schweigen.
Ich sehe ihn an. Er ist nicht groß, aber ungewöhnlich breit in den Schultern. Seine Gesichtshaut ist von der Sonne braungebrannt und schält sich, er hat flinke, wachsame Augen.
„Das sind so Sachen“, wiederholt er, dann blinzelt er plötzlich jemandem zu.„Na, laß nur. Mag die Arbeit sein, wie sie will, heute ist Sonnabend. Der Tag wird schon irgendwie rumgehen, und morgen ist Sonntag. Abends bekommen wir Käse, Marmelade oder eine Scheibe Wurst, so groß wie ein Fünfer— die tauschen wir gegen Kohlrüben ein. Nicht wahr?“
Die Frage gilt mir. Aber ich habe keine Zeit mehr, zu antworten. Über den Platz schallt es dröhnend: „Achtung!“
„Der Kommandant ist gekommen“, sagt Schurka. „Heil Hitler!“ ertönt es vom Tor.
„Das sind die SS-Leute“, erklärt Schurka.
Paul Liesner geht, die Hände auf dem Rücken, die Kolonne entlang. Seine hellblauen, etwas tränenden Augen blicken ohne jede Spur von Interesse auf uns. Einstweilen kann ich noch nichts Bestialisches an ihm entdecken.
Wieder heißt es:„Achtung!“ Über dem Platz liegt ge- spannte Stille. Sie wird von einem dröhnenden Baß unterbrochen:„Mützen ab!... Im Gleichschritt vor- wärts— marsch!“
Das eiserne Tor öffnet sich. Die Holzsohlen klappern über den Asphalt. Als die Spitze der Kolonne die
27


